Text
Editionsbericht
Literatur
§. 178.
In der Lyrik spricht der Dichter sich selbst aus, er stellt sein eignes Gemüth dar, sein
erreg[221]tes Gefühl in Beziehung auf einen Gegenstand außer ihm. Aber die Begrenzung seiner Individualität verschwindet durch das reinmenschliche jenes Gegenstandes, und durch die Art und Weise, wie er von demselben afficirt wird. Wo das Object nicht der gesammten Menschheit angehörte, oder wo das Verhältniß desselben zu dem Dichter den Bedingungen der Sinnlichkeit unterläge, da würde sein Werk auch nie als Kunstproduct gelten können, wie dies mit allen Gelegenheitsgedichten mehr oder weniger der Fall ist.
§. 179.
Der Gegenstand, welcher das Gemüth des Dichters rührt, ist entweder ein übersinnlicher, oder er gehört der höheren Menschheit an, oder es ist eine freundliche Erscheinung des wirklichen Lebens, oder ein Sehnen nach Veränderung. Daher viererlei Arten der lyrischen Poesie:
1. Der Hymnus.
2. Die Ode.
3. Das Lied.
3. Die Elegie.
Erstdruck und Druckvorlage
Aloys Schreiber: Lehrbuch der Aesthetik.
Heidelberg: Mohr und Zimmer 1809, S. 221-222.
Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck
(Editionsrichtlinien).
PURL: https://hdl.handle.net/2027/loc.ark:/13960/t0ht3tg5g
URL: https://doi.org/10.11588/diglit.69881#0253
URL: https://books.google.de/books?id=28MCAAAAYAAJ
URL: https://mdz-nbn-resolving.de/bsb10574630
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