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Editionsbericht
Literatur: Schneider
Literatur: Elegie
[1] Die lyrische Poesie wird gewöhnlich als Erstgeburt der verschiedenen Dichtarten angesehen und muß dies Vorrecht allerdings behalten, sobald man die kunstlosen Töne der Lust oder Unlust wilder Völker hieher rechnet, nur daß eine solche Poetik der Lyrik unter Menschen die noch pelasgisch als Halbthiere vegetiren, nicht dem Forum der Poetik angehöret. Vielmehr kann die wahre Kunst-Poesie nur im Staate, der selber ein Kunst-Produkt, gedeihen, und muß mit demselben gleiche Formen der Bildung durchgehen. Wie dieser also monarchisch beginnt unter dem Charakter der Allgemeinheit, indem die Bürger noch nicht gespalten in einer Menge selbstständiger Einzelheiten als Eine Masse durch Einen Herrn repräsentirt werden, eben so muß auch die Poesie zuförderst nothwendig die Gestalt des Epos annehmen, in welchem der Sänger als ein solcher auftritt, dessen Phantasie rein aufgegangen in die gesammte Volks-Phantasie, dieser wie[2]derum zum allgemeinen Organ dienet, so daß die Gegenstände der Kunst aus diesem objektiven Spiegel als objektive Dichtungen zurück geworfen werden, und als ein solcher, dem das Monopel der Erkenntniß, so wie dem Könige das Monopel der Thaten überlassen worden. Auf diese ward unter den Hellenen bereits im monarchischen Zeitalter das epische Gedicht ausgebildet, und durch Homeros auf den höchsten Punkt vollendet, ehe man noch irgend ein Kunst-Produkt der Lyrik aufweisen konnte: Kein Wunder bei solchem Volke, dessen Bildung überall nach nothwendigen Gesetzen erfolgte.
Die wahrhafte Lyrik hingegen kann erst nach dem Epos hervorgehen, in Zeiten da das Leben sich genauer ausbildet, und die subjektiven Charaktere der Bürger als Einzelheiten bestimmt auseinander treten, mit einem Wort ein Zeitalter der Republiken, denn sie selber ist ja die subjektive Gestalt der Dichtkunst, und nur aus der individuellen Phantasie können ihre Dichtungen erblühen. So wiederum bei den Hellenen, als ihre Monarchieen in Freistaate übergingen, verlor auch die Poesie jene vormaligen Züge der Allgemeinheit, und bewies dadurch zuförderst ihren vielseitigen Charakter, daß sie, wo späterhin sogar die Philosophie und Geschichte bei den drei größten Individualitäten des gesammten Volkes, jenen drei Stämmen der Joner, Aeoler und Dorer nämlich ein eigenthümliches Wesen annahm. Wohl hatten vormals die Sänger Joniens durch das Epos monarchisch über ganz Griechenland gewaltet, aber nun bildeten drei Säu[3]len in kunstvoller Verbindung einen Tempel der Lyrik als ein Pantheon gleich vieler Stämme.
Doch nicht mit einem Male, gleichsam auf das Zauberwort der Götter geschah jene dreifache Gestaltung der subjektiven Dichtkunst unter den genannten Völkern, sondern bei diesen früher und dort später, nach Maaßgabe der Zeiten und Umstände: zum ersten aber bei den Jonern, und das ist sehr erklärbar. Denn theils waren die Keime dieser Dichtart schon im Epos, dem eigentüumlichen Erzeugniß jenes Stammes, unbewußt und subordinirt enthalten, wovon sich aus den Gesängen des Homeros die Beweise leicht befügen lassen, wenn man nicht schon daraus, daß späterhin auch in den lyrischen Produkten die Bestandtheile des Epos verborgen lagen, einen umgekehrten Schluß ziehen dürfte, theils blühte zuerst in Jonien jenes freie Leben, in
welchem allein die Lyrik gedeihen konnte. Das erste Bestreben, dieselbe von den epischen Elementen gesondert vorzutragen, wird offenbar aus den bekannten Hymnen der Homeriden, welche jedoch so viele Spuren der alten Gattung verrathen, daß sie, von unseren Standpunkte
betrachtet, nur als gemisglükte Versuche dastehen, und nur den Willen zum Uebergange der einen Dichtart in die andere beweisen. Aber dies Gepräge der unreinen Vermischung muste wohl allen lyrischen Produkten der Joner anhaften, so lange sie nicht auch äußerlich in einer
ergenthümlichen Gestalt auftraten, sondern sich mit dem Epos in den fremdartigen Hexameter theilten, eine Bemerkung,
[4] die denen vorleuchten wird, welche wissen, wie viel genauer bei den Hellenen Form und Wesen einander parallel gingen, als bei den Modernen, die wohl überhaupt die Formen nicht selten als Gebilde der Willkühr angesehen haben; und so kann man sicher annehmen, daß, so lange der Hexameter einzige Darstellung der Rhythmen war, auch das Epos allein blühte, die rein lyrische Poesie dagegen nicht früher vortrat, als seitdem eigne Formen dafür entstanden waren, denn von Einer Form kann hier nicht wie dort die Rede sein, da die subjektive Poesie nach ihrem inneren Charakter auch eine Mannichfaltigkeit der äußerlichen Abdrücke nothwendig machte. War demnach die Lyrik der Joner, Aeoler und Dorer dem Wesen nach verschieden, so mußte sich eben dieses auch durch individuelle Typen ihrer Rhythmen und Melodien aussprechen, welche für die beiden leztgenannten Stämme nachzuweisen das Werk einer eigenen Untersuchung sein würde: den Jonern aber war das Gewebe der elegischen Distichen einzige Grundform der gesammten Lyrik.
Wie paradox nun auch immer diese Bestimmung des Wortes Elegie scheinen möge, so besteht dieselbe doch auf festem Grunde. Denn die Geschichte lehrt, daß den Jonern allein die Erfindung sowohl als vollständige Ausbildung dieser Dichtart und nur dieser angehöre, da man weder einen genialen Meister in der Elegie nennen kann, der nicht ein Joner gewesen wäre, noch irgend ein Joner in einer anderen Gattung der Lyrik Urheber heißen
[5] dürfte: selber Solon der Athenäer, Simonides von der Insel Keos und Kallimachos der Kyrenäer von der einen so wenig als Anakreon aus Teos von der andern Seite, können zur Widerlegung angeführt werden, indem wir nicht reden von Aneignung und Adoptionen, sondern von natürlicher Erzeugung. Allerdings war Simonides sehr berühmt in der Elegie, doch nur insofern er auf der einmal angewiesenen Bahn mit Glück weiter ging ohne Neuerungen, und was den Solon betrifft, so darf man diesen um so bestimmter den Jonern beigesellen, da das Volk der Athenäer vor dem Ursprunge der dramatischen Kunsi und der Perserkriege
*)
mit jenen als ein Volk betrachtet werden muß. Dasselbe gilt vom Kallimachos, der zwar noch berühmter ward als sein Vorgänger, der Joner Philetas, aber doch in einer Manier dichtete, die von diesem ausging. Endlich Anakreon erlegte durch Elegien seinem Vaterlande wenigstens den schuldigen Tribut, dann aber besonders gerühmt als melischer Dichter, betrat er doch nur auf eine geniale Weise jenen Weg, dessen Bahn früher Alkeios und Sappho gebrochen hatten, und dies darf um so weniger Verwunderung erregen, als er durch Abwesenheit in fremden Landen, die Gemeinschaft seiner Heimat aufgegeben hatte, so daß ihn auch die Alten nicht betrachten als ein Phänomen unter den Jonern, die sein
[6] Melos nicht einmal adoptirten, sondern ihn vielmehr der Aeolischen Dichterreihe beifügen. Ueberhaupt aber darf man bei den individuellen Verschiedenheiten der genannten Stämme nie vergessen, daß man es eben mit Hellenen zu thun habe, die stets in einiger Verbindung lebten, und ohne schroff-einseitige Gegensätze durch Relativitäten und Uebergange mit einander verbrüdert bleiben; mit Hellenen, die wohl alles von Barbaren entlehnte verabscheuten, aber was sie selbst geschaffen, einander ohne Neid mittheilten: so daß unter ihren Dichtern nur wenige genannt werden könnten, die von der Elegie nicht wenigstens einigen Gebrauch gemacht hätten: wenn gleich sich alle wiederum dadurch, daß sie für diese Dichtung auch den Dialekt der Joner annahmen, offenbar als deren Schuldner anerkannt.
Es ist aber nicht genug, daß wir historisch die Form der Elegie sämmtlichen ionisch-lyrischen Dichtungen zur Hülle dienen sehen, sondern aus der inneren Beschaffenheit dieser Rhythmen muß noch entwickelt werden, theils in wiefern ihnen ein lyrischer Charakter einwohne, theils in wiefern sie den Jonern eine ganz allgemeine Form der subjektiven Poesie werden konnten. Denn was den ersten Punkt betrifft, so möchte man vielleicht wähnen ein Metrum, in dessen Distichen der eine Vers derselbe sei mit dem heroischen, der zweite sehr nahe verwandt mit jenem, müsse weit eher für das Epos als für die Lyrik passen [7] und eine Nachricht beim Pausanias *) daß Mimnermos den Krieg der Smyrmäer, wider den Fürsten Gyges im Versmaaße der Elegie beschrieben habe, könnte vielleicht einer solchen Vermuthung Bestätigung zu verleihen scheinen; aber aus vielen Gründen ist diese Nachricht nur zu deuten auf ein episches Einschiebsel von jenem Inhalte, mit welchem der Dichter episodisch diesen oder jenen elegischen Gesang, man weiß nicht zu welchem Behuf, gewürzt hatte. Wie ja zuweilen auch Stesichoros, nach Quintilians **) Bemerkung die Last des Epos mit der Lyra trug, wie ferner Julian ***) meldet, daß zuweilen Archilochos alte Sagen gleichsam zur Versüßung eingewebt habe, wie wir in einem noch vorhandenen Gedicht des Pindaros den Argonautenzug weitläuftig erzählt finden, und wie Simonides †) die Schlacht von Salamis in einem melischen Gedichte dargestellt hatte, d. h. nie selbstständig, sondern immer als ein Förderungsmittel für die Lyrik. Doch eben so wenig darf uns die bereits erwähnte Verwandtschaft der elegischen Verse mit dem heroischen auf falsche Resultate führen, indem weder Hexameter noch Pentameter allein das lyrische Wesen der Elegie bilden, [8] sondern die Verbindung beider zum Distichon als einer Strophe; denn die Strophe war den Hellenen nothwendig für das lyrische Gedicht und ergiebt sich auch aus dem innern Wesen desselben als nothwendig, indem wohl das Epos, dem Charakter seiner ruhigen Einheit gemäß, nur einen einigen unvermischten, in sich selber modifizirten Vers erfordert, die subjektive Poesie dagegen ein Bestreben fühlt auch in der Form ihrer äußerlichen Erscheinung den Wechsel, jenes Auf- und Abwogen des individuell-menschlichen Gemüthes darzustellen: und wir können es überhaupt als einen Grundsatz für die Poesie der Hellenen annehmen, daß Verse verschiedner Art in ein Gedicht verflochten immer auch einen lyrischen Inhalt vermuthen lassen. – Nun aber ist bereits oben angedeutet worden, daß die Form der Elegie den Jonern nicht als eine von vielen nur für diesen oder jenen besonders angemessenen Gegenstand der subjektiven Dichtkunst gedient habe, sondern sie war ihnen eine durchaus allgemeine Form der gesammten Lyrik, in welcher nicht minder kriegerische Gesänge verfaßt werden durften, als moralische Sentenzen, Klagelieder und freudige Dichtungen der Liebe. Hierin besteht die zweite Schwierigkeit, welche wir zu lösen haben; denn wenn das lyrische Gedicht dem Epos gegenüber steht wie das Vielfache dem Einen, so muß man für dieses allerdings nur Eine, für die Lyrik hingegen unzählige Formen annehmen, und nicht genug, daß jeder von den ursprünglichen drei Stäm[9]men der Hellenen sein eigenen Grundtypus der lyrischen Metrik habe, dürfte man vielmehr verlangen, daß durchaus kein Produkt der subjektiven Poesie seine Form mit einer andern theile. Aber eine so scharfe Trennung gehört nur dem Gebiete der Abstraktion, die Geschichte gewährt auch hier, wie immer, den Anblick von Abstufungen und allmähligen Uebergängen. Wo wir das lyrische Gedicht bis auf den Gipfel einer fast idealischen Reinheit ausgebildet antreffen, da wird auch offenbar eine durchgängige Mannigfaltigkeit und überaus strenge Sonderung der Formen, wie beim Pindaros einem Dorer, dem das Alterthum den höchsten Rang in der Lyrik einräumte, kein Gesang aufgezeigt werden kann, der mit einem anderen in demselben Metrum abgefaßt ware; größere Gemeinschaft wird man schon auf den Inseln der Aeoler gewahr, wo die melischen Dichter zwar sehr individuelle Formen aussannen, aber doch dieselben für mehrere Dichtungen anwandten oder wohl gar bald ganz bald theilweise von einander entlehnten; allein weiter konnte diese Gemeinschaft nicht getrieben werden als in Jonien, wo die Lyrik nur in Einer Form, den Distichen hervortrat, deren Bau die Möglichkeit einer solchen Erscheinung aufkläret. Denn wenn gleich diese Strophen als Strophen überhaupt angesehen, den Stempel der Subjektivität tragen, so sind doch ihre Faktoren beide, der Hexameter unverändert, der Pentameter mit Modifikationen aus dem objektiven Versmaaße des Epos entlehnt [10] worden, und geben als unverkennbare Bestandtheile des Allgemeinen der Elegie selbst einen Charakter von Unbestimmtheit, den sonst keine Form der subjektiven Poesie, die sich vom Metrum des Epos eigenthümlicher entfernte, gewinnen konnte. Zwar wird in der Folge bemerkt werden, daß sie sich diesem oder jenem Inhalte mehr oder weniger passend angefügt habe, wir werden sogar eine Sphäre der lyrischen Kunst nennen, auf welche sie ganz besonders angewiesen scheinet, aber wir werden auch sehen, daß die Geschichte vollkommen begründe, was wir eben von ihrem ganz allgemeinen Umfange behauptet und für erst wenigstens als möglich anerkannt haben.
Zum Schluß dieser Einleitung muß aber noch über die Zeit des Ursprungs und den Erfinder unserer Versart einiges hinzugefügt werden: ein Problem, für dessen Lösung man schon im Alterthume so vielfache Vermuthungen aufstellte, daß selber Horaz
*)
nichts bestimmtes herausforschen konnte. Destomehr müssen wir so kühne Hoffnungen aufgeben und uns begnügen, wenn wir dem Wahren nur nahe kommen; diejenigen nun, welche den Mimnermos als Urheber nennen
**),
irren offenbar, indem dieser um die Zeit der Solonischen Gesezgebung, mithin fast ganzer hundert Jahre nach dem Tyrtäos
[11] lebte, von welchem bekannt ist, daß er in der elegischen Form gedichtet; aber man würde nicht begreifen, wie schon unter den Alten eine so falsche Nachricht umgehen, wie selber Hermesianax darauf bauen konnte, wenn sie nicht darin, daß Mimnermos der längst vorhandenen Form das Gebiet der Liebe zuwies und somit Erfinder jener erotischen, im engern Sinne sogenannten Elegie ward, Entschuldigung fände, welchen Ausweg bereits Wieland
*)
angedeutet hat. Den Tyrtäos aber nennt kein alter Schriftsteller als den Urheber der Elegie, auch würde sich eine solche Angabe, wie wir bald sehen werden, nicht bewahren; allein, daß dergleichen Gerüchte dennoch vorhanden waren, geht vielleicht hervor aus jener bekannten Sage, die den Tyrtäos als einen lahmen Sänger darstellt, und bisher häufig als Ernst genommen wurde. Wie viele falsche Nachrichten über den Mann umgingen, beweisen jene Fabeln der Alten, die ihn für einen Schulmeister, oder für blöde und verstandlos. oder gar für wahnsinnig
**)
ausgaben und ohne Zweifel im eifersüchtigen Athen erdichtet wurden, in Zeiten, wo das gute Vernehmen zwischen dem genannten Staat und Sparta bereits unterbrochen war: daß er aber
lahm war, ist im geringsten Grade glaubwürdig, indem die damaligen Lakonen, denen Lykurgos Gesetze noch in
vol[12]lem Ansehn standen, einen lahmen Anführer gewiß nicht angenommen hätten: von der andern Seite jedoch scheinet mir diese Sage keinen so boshaften Grund zu haben, als jene, indem man vielleicht die Eigenschaft des lahmen Pentameters (denn so betrachtet ihn Ovid,
*)
als eine verkrüppelte Geburt des Hexameters), den man vom Dichter ausgegangen glaubte, auf diesen selbst übertrug, in welchem Sinne das Alterthum nicht selten allegorisirte. Möge die Vermuthung aber wahr seyn oder unwahr, wir. wenigstens dürfen den Tyrtäos hier eben so wenig gelten lassen, als den noch früheren Archilochos (um Olymp. 20.) welchen der Grammatiker Orion
**)
als Erfinder aufführt: viel weniger den Terpandros von Lesbos, dessen in dieser Hinsicht alte Schriftsteller gar nicht erwähnen
***),
oder gar den Naxier Theokles, den die neueren Literatoren ebenfalls ohne Zeugniß nennen. Wahrscheinlicher und allgemeiner ist diejenige Nachricht, welche den Kallinos angibt, und wenn auch selber nicht eben ihm, wie doch der Grammatiker viele
†),
melden, dieser Ruhm der Erfindung gebühren sollte, so bleibt wenigstens aus seinen Ueberbleibseln sicher, daß schon er
[13] sich der Elegie bedient habe: genug für uns, indem wir nun mit dieser Dichtart bis zum Anfang der Olympiaden hinauf reichen: denn daß um diese Zeit der genannte Sänger lebte, wird offenbar aus gewissen historischen Anspielungen seiner geretteten Fragmente.
*)
So früh also war das Maaß der Elegie vorhanden, früher denn jedes andere der lyrischen Poesie, zugleich aber, indem Kallinos selber von Ephesos abstammte, tritt es hervor als ein jonisches Erzeugniß, und diese beyden Puncte dienen zur festen Grundlage. Nur eben über dies wenn und wo möge niemand hinausgehen. Denn zu forschen, auf welche Weise, durch welchen geistigen Prozeß der Künstler jene Verbindung des vollständigen und gebrochnen Hexameters zum Distichon ersonnen habe, das ist eine lächerliche Bemühung, die zwar zuweilen unternommen ward, aber immer auf seltsame Hypothesen hinausführte. Die neueste derselben
**)
welche noch oft bewundert wird, und auf eine sehr materielle Weise darthut, daß die lyrische Doppelflöte, mit welcher man in Jonien früh bekannt wurde, die Veranlassung gegeben, ist bereits im Athenäum
***)
mit gebührender Verachtung abgewiesen: denn die wahren Erfindungen im Kunstgebiet kommen überall von innen heraus, und am wenigsten hat bey den Hellenen,
[14] deren Musik immer nur der Poesie subordinirt war, irgend ein Instrument eine neue Dichtart hervorgerufen, eher könnte vielleicht der umgekehrte Fall Statt gefunden haben. Aber auch edlere Vermuthungen können vielleicht in solchen Dingen nichts frommen, und selber dem feinsten Psychologen ist es eine durchaus unlösbare Aufgabe, jene geheimen Operationen, die der Erfindung vorangehen, wiederholend im Zustande kaltblütiger Besonnenheit den Wegen der Begeisterung und Offenbarung nachzuspüren.
Was über den Ursprung und fernerem Gebrauch des Wortes Elegie bey den Alten bemerkt werden muß, soll späterhin an einem bequemern Orte angeflochten werden. Ich gehe daher zur Geschichte dieser Dichtart selber sowohl, als ihre Meister über, und werde dieselbe darstellen in drey Perioden, deren erste der alten oder politischen, die zweite der mittleren oder gnomischen, die dritte der neueren oder erotischen Elegie zugehöret.
[Die Anmerkungen stehen als Fußnoten auf den in eckigen Klammern bezeichneten Seiten]
[5] *) Vergl. Schlegels Gesch. der alten Poesie. Bd. 1. Th. 1. S. 232.
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[7] *) pag. 766.
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[7] *) inst. or. 10, 1, 62.
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[7] ***) orat. 7
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[7] †) Schol. Aristoph. Vesp. 1402. Schol. Apollon. 1, 211. Suid. 5. 1.
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[10] *) art. poet. v. 77.
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[10] **) Mar. Victor. 1. 3. p. 2555. Hermes. fragm. ap. Athen. V. 35.
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[11] *) Anm. zu Horazens Epist. Th. 1. S. 143.
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[11] **) Pausan, p. 316
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[12] *) Amor, 3, 1, 8.
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[12] **) Fragm. Callim. p. 439. ed. Ern.
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[12] bloß neuere. S. Fabric. bibl. Gr. T. 1. p. 294. Harles.
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[12] †) Terent. Maur. p. 14. Mar. Victor. p. 146. ed. Commel. (beyde nennen ihn Callinous) Callimach. fragm. T. 1. p. 439.
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[13] *) v. Memoires de l'acad. des inser. T. 7. p. 364 sqq
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[13] **) Att. Mus. Bd. 1. Hft 2. S. 335 fgg
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[13] ***) Bd. 1. St. 2. S. 88.
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Erstdruck und Druckvorlage
Studien.
Herausgegeben von Carl Daub und Friedrich Creuzer.
1808, Heft 1, S. 1-74.
Ungezeichnet. – Zuweisung nach altphilologischen
Literaturverzeichnissen.
Unser Auszug: S. 1-14.
Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck
(Editionsrichtlinien).
Studien online
URL: https://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/toc/2108409/0/LOG_0000/
PURL: https://catalog.hathitrust.org/Record/008920517
URL: https://mdz-nbn-resolving.de/bsb10928431
Zeitschriften-Repertorien
Literatur: Schneider
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Konzepte zwischen Universalpoesie und Grammatischem Kosmopolitismus.
Mit lexikographischem Anhang.
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Anhang II: Exemplarische Wortuntersuchungen; S. 452-479: Poesie.
Brandmeyer, Rudolf: Das historische Paradigma der subjektiven Gattung.
Zum Lyrikbegriff in Friedrich Schlegels "Geschichte der Poesie der Griechen und Römer".
In: Wege in und aus der Moderne. Von Jean Paul zu Günter Grass.
Herbert Kaiser zum 65. Geburtstag. Hrsg. von Werner Jung u.a.
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Dehrmann, Mark-Georg: Studierte Dichter. Zum Spannungsverhältnis von Dichtung und philologisch-historischen Wissenschaften im 19. Jahrhundert.
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Duff, David: Romanticism and the Uses of Genre.
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Engehausen, Frank (Hrsg.): Friedrich Creuzer : 1771 - 1858.
Philologie und Mythologie im Zeitalter der Romantik.
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Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer