Karl Knortz

 

 

Walt Whitman.

Vortrag, gehalten im Deutschen Gesellig-Wissenschaftlichen Verein von New York.
am 24. März 1886.

 

Text
Editionsbericht
Literatur: Knortz
Literatur: Whitman-Rezeption

 

"I know I am august,
I do not trouble my spirit to vindicate itself or to be understood,
I see that the elementary laws never apologize.
– I am the poet of the Body and I am the poet of the Soul,
The pleasures of heaven are with me and the pains of hell are with me,
The first I craft and increase upon myself, the latter I translate into a new tongue."
                                                        "Song of Myself."

IM ersten Jahrgange von "Putnam's Monthly" befindet sich eine gemütreiche, zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges spielende Weihnachtsgeschichte, welche den Titel "The Carpenter" trägt. In derselben wird uns eine zur Feier des heiligen Abends am Herdfeuer versammelte Farmerfamilie vorgeführt, deren Konversation sich hauptsächlich um die Schrecken jenes Krieges und um die mutmasslichen Pläne der Generäle des Nordens dreht.

Die jüngste Tochter des Hauses, die diesem Gespräche kein Interesse abgewann und deren Gedanken sich sicherlich mehr mit den erwarteten Geschenken und dem vermeintlichen Bringer derselben beschäftigten, unterbricht plötzlich die kriegerische Unterhaltung durch die naive Frage, welches Handwerk Jesus eigentlich betrieben habe.

Nachdem nun der alte Farmer diese Frage beantwortet und das Mädchen den Wunsch ausgedrückt hatte, jenen frommen Zimmermann aus Nazareth einmal zu sehen, da es sich durchaus nicht vor ihm fürchte, tritt auf einmal [4] ein fremder Mann mit grauem Bart- und Haupthaar, aber mit jugendlich frischem Gesichte in das Wohnzimmer und überreicht einen Hobel, den er zufällig in der unmittelbaren Nähe des Farmhauses gefunden hatte. Man hiess ihn willkommen, wies ihm einen Sitz am traulichen Herdfeuer an und fragte ihn unter Anderem auch nach seiner Beschäftigung und nach seinem Namen, ohne jedoch sonderlich auf seine Antwort acht zu geben, oder ihn ausreden zu lassen, so dass man ihn, da er sich als Bautischler eingeführt hatte, einfach "Mr. Carpenter" titulirte. Jene Tochter nähert sich ihm vertrauensvoll und flüstert ihm ins Ohr, dass sie wisse wer er sei; und sämmtlichen Gliedern der Farmerfamilie kommt es vor, als hätten sie einen guten alten Bekannten vor sich und plaudern auch demgemäss ungenirt mit ihm über wichtige und unwichtige Privatangelegenheiten. Der Fremde zeigt sich dieses Vertrauens dadurch würdig, dass er als weiser Berater auftritt und den stark bedrohten Hausfrieden jener Familie mit klugen, keine Partei verletzenden Maassregeln aufs Neue befestigt, wonach er dann segnend und gesegnet Abschied nimmt.

Jeder, der diese Erzählung damals oberflächlich las, dachte, der Verfasser derselben habe in jenem getreuen Eckhart einfach den Stifter der christlichen Religion auf seiner geheimnisvollen Weihnachtstour schildern wollen; wer jedoch die auffallende Sprache jenes Fremden, dessen häufigen Gebrauch ungewöhnlicher Eigenschaftswörter und die epigrammatisch zugespitzten und von einem originellen, aber sympathischen Poesiedufte durchdrungenen Sätze aufmerksam prüfte und dabei so weit in der amerikanischen Literatur bewandert war, dass er wusste, wen diese sprachlichen Eigentümlichkeiten vor allen anderen Schriftstellern auszeichneten, der kam auch gleich zu der Ueberzeugung, dass es sich hier um eine [5] wohlberechnete und geschickte Mystifikation handelte, und dass der stilgewandte Verfasser, nämlich William Douglas O'Connor in Washington, seinem verehrten Freunde und Abgotte, dem viel angefeindeten Verfasser der "Leaves of Grass," ein novellistisches Denkmal setzen und zugleich dessen humanitäres Wirken karakterisiren wollte.

In jenem "Carpenter" wird uns also der Dichter Walt Whitman vorgestellt, dessen Leben und Werken wir nun einen Theil dieses Abends widmen wollen.

Walt Whitman ist am 31. Mai 1819 zu West Hills auf Long Island geboren. Seine Vorfahren waren einfache, robuste Farmer, die sich durch seltene Energie und unerschütterliche Ausdauer auszeichneten und wegen ihrer Gastfreundschaft und Biederkeit in allgemeiner Achtung standen. Long Island, oder Paumanok, wie es Whitman mit Vorliebe nennt, war damals noch wenig besiedelt; auf den ausgedehnten Grasflächen des Innern weideten zahlreiche Herden und an der Küste fanden die sogenannten Paumanokers, jene Strandläufer unrühmlichen Angedenkens, lohnende Gelegenheit für die Ausübung ihres verbrecherischen Gewerbes.

Der junge Walt Whitman, der sich leidenschaftlich gerne im Freien aufhielt und jeden Felsen und jede Bucht von Long Island kannte, verkehrte mit grosser Vorliebe mit diesen von der Kultur unbeleckten Leuten und entdeckte in ihnen Eigenschaften, die er ihnen anfangs nicht zugetraut hatte und die ihn für die Dauer seines Lebens zum aufrichtigen Freunde aller derjenigen machten, deren Bekanntschaft die sich besser dünkende Klasse ängstlich zu vermeiden sucht.

Als späterhin Whitman's Eltern ihren dauernden Wohnsitz in Brooklyn nahmen besuchte er daselbst die öffentliche Schule und ward ein leidenschaftlicher Leser [6] von Novellen und Gedichten, sowie ein eifriges Mitglied einiger Debattirclubs; überhaupt liess er sich keine Gelegenheit entgehen, durch die er seine Kenntnisse bereichern konnte.

Mit den Piloten der zwischen New York und Brooklyn laufenden Fährbooten, welch letztere er hauptsächlich deshalb gerne benützte, weil die stets wechselnden Scenerien sowie die stets ankommenden neuen Menschenmassen einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn ausübten, stand er auf dem vertrautesten Fusse; ebenso mit den Omnibuslenkern des Broadway, die ihn, trotzdem er ihnen öfters Stellen aus Shakespeare's Dramen vordeklamirte, als ihres Gleichen betrachteten und ihn einfach "Walt" nannten. So sammelte er also schon frühzeitig auf den frequentirtesten New Yorker Verkehrswegen sowie in stiller Abgeschlossenheit auf Long Island das Material zu seinen unvergleichlichen, einzig in ihrer Art dastehenden "Leaves of Grass."

Nachdem er eine Zeitlang als Schreiber in einem Advokatenbureau gearbeitet und während eines Winters als schlecht bezahlter Dorfschulmeister sein Leben kümmerlich gefristet hatte, erlernte er das Setzerhandwerk und war abwechselnd an New Yorker und Brooklyner Zeitungen als Setzer, Lokalreporter und Redacteur thätig. Dann machte er eine ausgedehnte Tour durch die Mittel-und Südstaaten, liess sich darauf wieder in Brooklyn nieder und widmete sich daselbst von 1851 — 53 dem Bauhandwerke. Er liess zahlreiche kleine Wohnhäuser bauen und verkaufte sie an Arbeiterfamilien, womit er solchen pekuniären Erfolg erzielte, dass er, um nicht ganz und gar im Geldmachen aufzugehen und geistig zu versumpfen, sich wieder der einmal lieb gewonnenen literarischen Beschäftigung widmete.

Als der Bürgerkrieg ausbrach und die ersten für den [7] Norden unheilvollen Schlachten geschlagen worden waren eilte er schleunigst nach Washington und machte sich Jahre lang als freiwilliger Krankenwärter nützlich und bei vielen unvergesslich. Er nahm nicht nur keine Bezahlung für seine anstrengenden Dienste an, sondern opferte vielmehr noch seine Ersparnisse zum Besten der kranken Soldaten. Nie trat er mit leeren Händen in ein Hospital; auf die liberalste Weise theilte er Früchte, Tabak, Schreibpapier und Geld an die Verwundeten aus und darbte lieber selber, als dass er den Wunsch irgend eines Soldaten unerfüllt gelassen hätte. Wie sehr ihm seine verkrüppelten Schutzbefohlenen am Herzen lagen und welchen innigen Antheil er an ihrem Schicksale nahm geht aus seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen hervor, welche einen Theil seiner prosaischen Werke bilden.

Er versah seine Soldaten reichlich mit Zeitungen und Büchern, und schrieb für dieselben Briefe aller Art, ja, selbst die zartesten Liebesbriefe und schickte sie frankirt an die Adressaten ab.

Infolge dieser anstrengenden und aufreibenden Beschäftigung und der sich anferlegten Entbehrungen litt allmählich seine eigene Gesundheit; und da auch seine Taschen gänzlich leer geworden waren so nahm er eine schlecht bezahlte Schreiberstelle im Departement des Innern an. Letzteres stand damals unter der Herrschaft des Ministers James Harlan, eines ehemaligen Methodisten-Geistlichen, der in seinem Antrittsmanifeste gesagt hatte, er wolle sein Departement nach christlichen Grundsätzen reguliren. Als frommer Christ durchstöberte derselbe nach den officiellen Arbeitsstunden die einzelnen Bureaux und inspicirte heimlich die Schreibtische seiner Unterbeamten. Bei dieser Gelegenheit fiel ihm nun ein sonderbares Buch in die Hand, welches den Titel "Leaves [8] of Grass" führte. Der Name des Verfassers war nicht angegeben; doch aus einem Vergleiche mit den in dem Buche angebrachten Bleistiftnotizen und der Handschrift Whitman's schloss er, dass sein neuer Schreiber der Verfasser dieses Werkes sei und erbaute sich nun jeden Abend heimlich an der Lektüre desselben. Am nächsten Morgen fand Whitman sein Buch stets wieder am alten Platze und konnte es auch mit nach Hause nehmen, als er auf Befehl Harlan's plötzlich aus christlichen Grundsätzen seines Aemtchens entsetzt wurde. Ja, dieser fromme Harlan war über den obscönen Inhalt dieser aller Sittlichkeit Hohn sprechenden "Adamskinder" so sehr entrüstet, dass er öffentlich erklärte, lieber resigniren als sich selbst vom Präsidenten zwingen lassen zu wollen, ein solches Scheusal in Menschengestalt, wie Whitman eins sei, in seinem Departement zu beschäftigen.

Whitman's Anstellung unter Harlan hatte doch volle sechs Monate gedauert. Seine bereits 1855 zu Brooklyn auf eigene Kosten gedruckten "Grashalme" hatten ihm mit Ausnahme eines ermutigenden und freundlichen Briefes von dem tiefer blickenden Dichter-Philosophen R. W. Emerson nur Spott und Hohn eingetragen; Harlan aber sorgte durch sein christliches Vorgehen dafür, dass Whitman und sein Buch der Vergessenheit nicht anheim fielen; denn kurz nach Whitman's Entlassung (1865) erschien in Washington die von dem uns bereits bekannten O'Connor verfasste geharnischte und von gründlichen literarischen Kenntnissen zeigende Broschüre "The Good Gray Poet," die gerechtes Aufsehen erregte und da sie die Verdienste Whitman's als Humanitarier und Dichter in einer Weise hervorhob, die jede beabsichtigte Widerlegung im Voraus entkräftete, jeden vorurteilsfreien Leser zu Gunsten des guten, grauen Dichters, wie der seit seinem 30. Jahre vollständig ergraute Whit[9]man in Freundeskreisen gewöhnlich genannt wurde, stimmte und das Interesse für ihn verallgemeinerte. Whitman ward plötzlich der Löwe des Tages und als ihn einst Lincoln sah, bei dem man ihn aus nahe liegenden Ursachen gründlich angeschwärzt hatte, sagte er: "Nun, er sieht doch wie ein Mensch aus! "

Kurze Zeit darauf erhielt Whitman eine anständig dotirte Stelle in einem anderen Departement und bekleidete dieselbe bis zum Februar 1873, als ihn ein Schlaganfall dem Tode nahe brachte und ihn zwang, sein Amt aufzugeben und sich nur der Wiedergewinnung seiner Gesundheit zu widmen. Nun verliess er Washington auf immer und zog nach Camden in New Jersey, seinem jetzigen Wohnorte. Von seinem Gehalte als Staatsbeamter hatte er sich, trotzdem er sehr ökonomisch, ja, sogar geizig gelebt hatte, wenig erspart, da die Unterstützung der Armen und Hilfsbedürftigen stets drei Viertel seines Einkommens verschlangen; die Verleger hatten ihn in der Hoffnung seines baldigen Todes um das Honorar betrogen und so stand er, der bisher allen Verlassenen so bereitwillig geholfen hatte, auf einmal selbst hilflos, von allen Mitteln entblösst und der Gesundheit beraubt da, und war nur auf die guten Menschen angewiesen, die ihm der Zufall in den Weg führte. Er hielt sich während der heissen Jahreszeit gewöhnlich am Timber Creek, einem kleinen in den Delaware mündenden Flusse auf und lebte dort in freier Luft ungestört seinen poetischen Träumereien und seinen systematisch betriebenen gymnastischen Uebungen. Das scheinbar Unbedeutendste in der Natur gewann ihm Interesse ab; und wenn er auch, wie z. B. die ihm wohlverwandten Naturbetrachter Thoreau und John Burroughs, seinen Beobachtungen keinen fachwissenschaftlichen Anstrich gab oder zu geben vermochte, so sind dieselben dafür von einer [10] höheren poetischen und zugleich humanen Bedeutung, da er Alles nur im engsten Zusammenhang mit dem Menschen und dessen civilisatorischen Bestrebungen anschaute.

So sehr er sonst als ächter Amerikaner den Fortschritten auf technischen, industriellen und socialen Gebieten huldigt und denselben schwungvolle Dithyramben widmet, so erfasst ihn doch in der traulich-melancholischen Waldeinsamkeit am Timber Creek zuweilen ein ächt Rousseau'scher Geist und er donnert: "Fort mit der verweichlichenden Civilisation! Fort mit der schalen, modernen Gesellschaft! Fort mit allem Luxus! Fort mit Prozessen, engen Stiefeln und Rockknöpfen! Hin an den Busen der Natur!" Aber indem er nun seine Kleider an einen Zaun oder Baum hängt und nur mit breitgerändertem Schlapphut und bequemen Filzschuhen bekleidet im Freien herum springt, oder in einem Flusse herum plätschert, oder auch an einem Baum, dessen Aeste ihm als Barren und Reck dienen, gymnastische Uebungen vornimmt, da vergisst er doch nicht alle Erzeugnisse jener vorher so kräftig verurteilten Civilisation, denn er recitirt beständig Stellen aus Homer und Shakespeare, oder singt Opernarien und freut sich, wenn dieselben vom Echo zurück getragen werden, oder wenn ihm eine Eule mit monotoner Stimme Beifall zollt.

Dass er von den ihn zufällig beobachtenden Menschen für einen unheilbaren "Crank" gehalten wird, weiss er wohl, aber es kümmert ihn nicht; denn daran hat er sich bereits gewöhnt, ohne sich übrigens dadurch auch nur im Geringsten an der Bedeutung seiner Ansichten und seines poetischen Schaffens irre machen zu lassen, oder weniger von der Menschheit zu denken. Auch hat ihn nicht der Pessimismus zum Einsiedler gemacht, sondern nur der Wunsch nach Stärkung seiner Gesundheit und [11] die Sehnsucht nach einem unmittelbaren, durch kein Feigenblatt verhinderten Verkehr mit der Natur. Im Walde fuhrt er Zwiegespräche mit den Eichen, Eichhörnchen, Vögeln und was sonst in seiner Nähe herum kreucht und fleugt. Whitman ist ein Träumer, der die Wechselfälle des Lebens mit stoischer Ruhe erträgt. Zeit und Geld haben nur dann Wert für ihn, wenn er sie zum Besten seiner Mitmenschen verwenden kann. Er ist ein Original, wie es die Alles nivellirenden sozialen Verhältnisse täglich seltener machen. Jeder Lage des Lebens gewinnt er nur die Sonnenseite ab; ja, er geht in seinem Optimismus sogar so weit, dass er überhaupt alles Uebel ableugnet, und sich mit dem Gedanken tröstet, es sei Alles so gut in der Welt, wie es unter den existirenden Verhältnissen sein könne.

Man sagt gewöhnlich, dass der Deutsche im Träumen gross sei; den Amerikaner Whitman aber dürfte doch keiner erreichen. Er träumt und phantasirt nicht nur in unbelauschter Einsamkeit, sondern auch in den frequentirtesten Heerstrassen; nicht nur in Mondscheinnächten, sondern auch am hellen Tage; er sieht nicht nur, wie ihn die bemoosten Urwaldsbäume umtanzen, sondern hört auch, wie sie ihm zurufen, dass sie diesen Reigen nur ihm zu Ehren aufführten.

Die erste Ausgabe der "Leaves of Grass," welche ein Bändchen von 95 Seiten mit einer 12 Seiten langen Vorrede bildete, erschien 1855. Der Name des Verfassers war auf dem Titelblatte nicht angegeben; doch befand sich in dem Buche das Bild eines Mannes mit schwärmerisch-gutmütigen Zügen. Dieser Mann war in Hemdsärmeln, hatte den Hut nachlässig auf dem Kopfe sitzen und eine Hand in der Hosentasche stecken. Dies Bild, das seither in jeder Ausgabe der "Grashalme" beibehalten worden ist, stellte Whitman in seinem 35. Lebensjahre [12] dar. Die zum Verkaufe in Buchhandlungen ausgelegten Exemplare blieben wie heisses Eisen liegen; die an Zeitungen gesandten Recensionsexemplare wurden entweder retournirt, oder verschwanden im Papierkorb und die wenigen Kritiker, die sich wirklich der Mühe des Durchlesens der "Grashalme" unterzogen, erschöpften dann das englische Schimpflexicon bei Besprechung derselben. Die "Saturday Review" verlangte allen Ernstes, dass der Verfasser öffentlich ausgepeitscht werde; der Londoner "Critic" sagte, nur ein zweiter Caliban könne solches gemeine Zeug geschrieben haben, und ein anderes Blatt nannte Whitman den Schwan der Abzugskanäle. Nur ein Amerikaner, nämlich Ralph Waldo Emerson, erkannte, wie ich bereits bemerkt habe, die poetische Bedeutung der "Grashalme" an; er schickte dies Werk seinem Freunde Carlyle und nannte es in dem begleitenden Briefe ein Ungeheuer mit schrecklichen Augen und der Kraft eines Büffels; doch, fügte er hinzu, wenn du es für das Inventarium eines Auktionators hältst, so kannst du ruhig deine Pfeife damit anzünden.

Und an Whitman schrieb er von Concord aus einen Brief, in dem er das Buch als eine mutige That bezeichnete, weshalb er sich freue, ihm zum Beginn einer grossen Carrière gratuliren zu können. Da dieser Brief durch Charles A. Dana, den damaligen Mitredakteur der "Tribune," der Oeffentlichkeit übergeben wurde und Emerson's Urteil in einflussreichen literarischen Kreisen immerhin massgebend war, so sah sich Whitman veranlasst eine zweite, durch neue Gedichte bereicherte Ausgabe zu veranstalten, um – sie abermals verschenken zu müssen. Als ihm ein wohlmeinender Freund riet, doch einige in der Abteilung "Adamskinder" enthaltenen, das Zartgefühl der Leser verletzende Nummern zu entfernen [13] erwiderte er ruhig, diese Anforderung zeige ihm, dass das Buch nicht für ihn geschrieben sei.

Man fing nun aber doch allmählig an Whitman Gehör zu geben und konstatirte allgemein, dass er das Zeug zu einem tüchtigen Poeten in sich trage, wobei man es natürlich nicht an den eben so wohlgemeinten wie billigen Ratschlägen betreffs der Schulung seines Talentes fehlen liess.

Nach Veröffentlichung der dritten Auflage (1860) erhoben sich hier und da, besonders aber in England Stimmen, welche Whitman's poetische Bedeutung energisch verfochten und welche ihn als den einzigen Originaldichter begrüssen, den Amerika bis jetzt hervorgebracht hatte. Whitman hatte bereits ein dankbares Publikum gefunden, und er konnte nach Beendigung des Sonderbundskrieges ruhig eine Auflage nach der anderen erscheinen lassen, ohne sie verschenken zu müssen. Die alle seine Poesien enthaltende Ausgabe der "Leaves of Grass" die anfangs 1882 im Osgood'schen Verlage zu Boston erschien, bildet einen Band von gegen 400 Seiten und wurden von derselben innerhalb weniger Monate so viele Exemplare nach England verkauft, dass Whitman für dieselben allein gegen 500 Dollars Tantièmen erhielt. Whitman hatte nun die beste Berechtigung, seinen alten Tagen unbesorgt entgegen zu sehen; doch da erhielt jene Bostoner Verlagshandlung im Mai 1882 einen Brief, in dem ihr der Distriktsanwalt drohte sie wegen Verbreitung obscöner Literatur in Anklagezustand zu versetzen, wenn sie die näher specificirten Aenderungen in den "Leaves of Grass" nicht vornehmen lasse. Der Verleger schickte diesen Brief dem Dichter zu, der darauf die Erklärung abgab, dass an Aenderung oder Ausmerzung gewisser Stellen nicht zu denken sei. Doch jener Rechtsanwalt schien mit sich handeln zu lassen und [14] erklärte, wenn aus der Abteilung "Adamskinder" die Nummern "A Woman waits for me" und "To a Common Prostitute," jene so vielfach beanstandeten Gedichte, entfernt würden, den Verkauf des Werkes nicht gerichtlich zu verhindern. Als auch Whitman diese Offerte peremptorisch zurückwies und es der feige Verleger auf keinen Prozess ankommen liess, was damals sowohl von den Feinden wie von den Freunden des Dichters allgemein bedauert wurde, so wanderten die Stereotypplatten der "Grashalme" zu ihrem Eigentümer in Camden zurück und derselbe übergab sie dann dem Buchdrucker David McKay in Philadelphia, der seitdem der Verleger der Gedichte sowie des Prosawerkes Whitman's "Specimen Days, and Collect" geworden ist.

Da jene Affaire ungemein viel Staub in den Zeitungen aufwirbelte und bittere Kontroversen, an welchen besonders der stets geharnischte und federgewandte O'Connor lebhaften Anteil nahm, im Gefolge hatte, so griffen Viele, die bisher Whitman kaum dem Namen nach kannten, aus Neugierde zu den "Grashalmen," und der Dichter hatte allen Grund, dem juristischen Sittenrichter von Boston für seine unentgeltliche, aber wirksame Reclame dankbar zu sein.

Schon der Umstand, dass die "Grashalme" so grundverschieden beurteilt und von dem einen Kritiker als Ausgeburt eines vom Irrsinn erfassten Gehirns und von dem andern hingegen als eine der gewaltigsten poetischen Werke aller Zeiten hingestellt werden, zeigt, dass die Lektüre derselben durchaus keine mühelose Arbeit ist und dass zur gerechten Würdigung derselben eine immerhin mehr als oberflächliche literarhistorische und philosophische Vorbildung unbedingt nötig ist.

Abstossend wirkt anfangs die Form, resp. die Formlosigkeit der "Grashalme;" denn Whitman erklärt [15] unserer herkömmlichen ars poetica, die er wegwerfend die Maschinerie der Gedichte nennt, energisch den Krieg und sagt nicht ganz mit Unrecht, dass sich hinter der gewohnten jambischen, trochäischen und daktylischen Versmesserei meist nur mittelmässige Dichter versteckten, um ihre Armut an Originalgedanken durch künstliche und verkünstelte Reimverschlingungen zu verbergen. Nach seiner Ansicht ist die Zeit gekommen, in welcher der bisherige äussere Unterschied zwischen Poesie und Prosa verwischt werden könne; der Dichter solle sein eigener Gesetzgeber sein und seinen Originalgedanken auch eine denselben entsprechende Form geben.

Die Streckverse, deren er sich bedient und die sich zu einem Tennyson'schen Gedichte wie eine Symphonie Beethovens zu einem Abt'schen Liede verhalten, sind allerdings für seine Ideen die passendsten; denn der Sturm z. B. heult doch auch nicht im regelmässigen Tempo. Aber so ganz ohne rhythmischen Schwung sind sie doch nicht, und da, wo er edle Seelenregungen schildert, zwingt ihn sein angeborenes Sprachgefühl doch zu einer gewissen metrischen Form, die einen unwiderstehlichen Zauber auf den Leser ausübt. Dort hingegen, wo er ethische und philosophische Probleme ventilirt, oder wo er, wie er es so häufig thut, die Länder, Flüsse und Nationen des Erdkreises im Stile eines kurzgefassten Handlexikons aufführt und diese Kataloge nur höchst selten durch einen bestechenden Reichtum an ausdrucksvollen Eigenschaftswörtern schmückt, wodurch z. B. Homer seinen langen Schiffskatalog geniessbar gemacht hat, da ist sein Stil noch viel prosaischer als der Heuschreckenstil oder die kabbalistische Prosa der "Aesthetica in nuce" vom "Magus des Nordens," mit welchem Philosophen Whitman sonst noch die Dunkelheit des Ausdrucks, die Vorliebe für die Natur, die Aversion [16] gegen veraltete Satzungen und manches Andere gemein hat.

Wenn Carriere in seinem Werke "Das Wesen und die Formen der Poesie" sagt, dass "eine poetische Stimmung und Anschauung bald den Reim und bald ein reimloses Versmas fordert, und dass der männliche oder weibliche Reim, die sapphische oder alkäische Strophe keineswegs gleichgiltig sind, das sollte man endlich einsehen und eine bestimmte Form weder in Bausch und Bogen verwerfen, noch ihre willkürliche Anwendung gestatten", so unterschreibt er den herkömmlichen Grundsatz unserer Poetiker, nach welchen sich die verschiedenen Ideen von ihren Urhebern in bestimmte Rhythmen zwängen lassen müssen. Wenn nun aber jener Aesthetiker in dem nachfolgenden Satze schreibt, dass im wahren Kunstwerk die Form aus der Idee erwachse und deren organische Entfaltung sei, so widerspricht er sich selber; denn er behauptet da nichts anders, als dass die Form der Idee entspringt und es mithin nothwendigerweise auch so viele Formen wie Ideen geben müsse, nach welchem Principe dann das Verfahren Whitman's glänzend gerechtfertigt wäre.

Als sich in Whitman zuerst die Lust zum Dichten regte huldigte er ebenfalls dem Reime; späterhin aber, als sich durch Studium und Nachdenken sein geistiger Horizont erweitert hatte, schüttelte er diese Fessel ab und schrieb jene rhythmische Prosa, mit der übrigens die Lesewelt durch die Psalmen, das Buch Hiob, Macpherson's "Ossian" und durch Friedrich Schlegel's Uebersetzung des "Ramajana" bereits vertraut war.

Weit störender als die Abwesenheit der regelmässigen Metrik wirkt die Anwesenheit einer Anzahl spanischer und französischer Ausdrücke, sowie die Verachtung und Beiseitesetzung der Regeln der Grammatik. Nach den Vorschriften der Grammatiker richtet sich Whitman eben [17] so wenig, wie der Urwald nach den ästhetischen Grundsätzen eines Landschaftsgärtners. Sehr häufig überträgt er dem Hauptworte die Aufgabe des Verbums, oder auch, umgekehrt. Die logische Verbindung der einzelnen Sätze muss man selber heraus finden, was nicht immer eine leichte Arbeit ist. Ausserdem wird durch die sparsame Anwendung der Interpunktionszeichen das Verständnis so erschwert, dass man oft glaubt, sibyllinische Sentenzen vor sich zu haben. Wenn man nun glaubt, man habe eine Stelle endlich verstanden und den Ariadnefaden dieses Gedankenlabyrinthes gefunden, so stemmen sich einem beim Lesen des folgenden Versabschnittes wieder neue, schwer zu überwindende Schwierigkeiten entgegen, so dass man häufig an seiner Urteilskraft zweifelt, oder geneigt ist, den Dichter für einen Konfusionsrat erster Klasse zu halten. Whitman weiss selbst sehr wohl, welche Schwierigkeiten er seinem Leser bereitet, denn er sagt zum Schlüsse des "Song of Myself":

"You will hardly know who I am or what I mean,
But I shall be good health to you nevertheless,
And filter and fibre your blood,"

und setzt dann um seinen Leser nicht abzuschrecken hinzu:

"Failing to fetch me at first keep encouraged,
Missing me one place search another,
I stop somewhere waiting for you."

Sein Reichtum an Wörtern, besonders aber an Adjektiven, ist erstaunlich; da er aber denselben oft eine andere als die gangbare Bedeutung unterlegt, so erwachsen dadurch dem Leser wieder neue Schwierigkeiten, und derjenige, der sich dem Wahne hingegeben hat, die englische Sprache vollkommen zu bemeistern, wird sich doch öfters beim unverkürzten Webster Trost suchen müssen.

[18] Uhland machte einst die Bemerkung, dass seine Poesie in der Liebe zum Volke wurzele und daher auch demselben gewidmet sei; Aehnliches behauptet Whitman von seinen Gedichten und sagt, dieselben appellirten hauptsächlich an das moralische Gefiihl und seien so beschaffen, als habe sie der gemeine Mann selber gedacht und gedichtet. Aber da beurteilt er die Fassungsgabe des gemeinen Mannes nach der seinigen und dies ist auch einer der Gründe und zwar der hauptsächlichste, weshalb er bis jetzt nie in das Volk gedrungen, nie populär geworden ist und seine Verehrer nur in dem literarisch gebildeten Publikum gefunden hat. Aber auch für letzteres gelten betreffs des Verständnisses der "Grashalme" seine Worte :

"These leaves and me you will not understand,
For they will elude you first, and still more afterward, I will certainly elude you,
Even while you should think you have unquestionably caught me, behold!
Already see I have escaped from you."

Jeder, der sich bis jetzt an die Lektüre der "Grashalme" gewagt hat, hat folgende Erfahrungen gemacht: Nach Durchlesung der ersten Seiten kam ihm das Buch als das Werk eines Wahnsinnigen vor; dann aber wurde er plötzlich von einem originellen Gedanken gefesselt, der ihm das Verständnis des bisher Gelesenen erschloss und ihn unwiderstehlich zum Weiterlesen anspornte. Er befand sich alsdann in der Lage des Goethe'schen Zauberlehrlings, der die einmal gerufenen Geister nicht mehr los wurde. Auch dieses ihm eigenen Zaubers ist sich Whitman wohl bewusst, denn er sagt offen und frei:

"I teach straying from me, yet who can stray from me?
I follow you whoever you are from the present hour,
My words itch at your ears till you understand them."

Die Lektüre der "Grashalme", lässt sich mit einer Bergbesteigung vergleichen, die jeden mühevollen Schritt durch [19] neue, reizende Aussichten lohnt. Den Gipfel der Whitman'schen Geisteshöhe aber hat bis jetzt noch Niemand erklommen, was seine eifrigsten Verehrer und fleissigsten Leser bereitwillig anerkennen und sich mit dem Gedanken trösten, dass, da sie bisher so manche Schwierigkeiten überwunden haben, sie schliesslich auch noch die übrigen Geheimnisse entschleiern würden. Als ich einst Dr. Bucke, einen kanadischen Arzt, auf einige mir absolut unverständliche Stellen aufmerksam machte und mich der Hoffnung hingab, von jenem langjährigen Intimus Whitman's und Verfasser eines Werkes über denselben, die ersehnte Aufklärung zu erhalten, erwiderte er naiv: "Ja, welcher Mensch kann das begreifen? Das wird man vielleicht erst im nächsten Jahrhundert verstehen!"

Das war allerdings ehrlich gesprochen; trotzdem aber ist Whitman's Dunkelheit durchaus nicht zu entschuldigen, denn derjenige Dichter oder Philosoph, der da glaubt die Welt mit neuen Gedanken beglücken zu können, sollte dieselben auch in solche Sprache kleiden, dass sie wenigstens einem einigermassen gebildeten Menschen der Gegenwart verständlich sind.

Im New Yorker "Graphic" vom 25. November 1873 erzählt ein amerikanischer Literat, dass es ihn sieben Jahre genommen habe, um die poetische Bedeutung Whitman's zu erfassen. In den ersten vier Jahren habe er sich über die "Grashalme" lustig gemacht und sie als Exempel menschlicher Verrücktheit hingestellt; in den nächsten zwei Jahren seines Whitman-Noviziates habe er sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, ob hinter dieser ungewohnten, urwüchsigen Sprache kein Körnlein Poesie versteckt sei; doch erst im siebenten Jahre sei ihm allmählich der Rhythmus sowie der Gedankeninhalt der "Grashalme" zum Verständnis gekommen. Damit bestätigt er also unser bisheriges Urteil, dass die "Grashalme" keine am [20] Sonntagsnachmittage im Schaukelstuhle oder auf dem Sofa vorzunehmende Lektüre bilden, und zweitens, dass man trotz allen anfänglichen Abschreckungen unwillkürlich aufs Neue dazu hingezogen wird.

Zur gerechten Würdigung und zur Erleichterung oder wenigstens doch zur Anbahnung des Verständnisses der "Grashalme" hat uns Whitman zwei Kommentare geliefert; nämlich erstens seine eigene, uns bereits in Umrissen bekannte Lebensgeschichte, und zweitens das Prosawerk "Democratic Vistas", welches sein politisch-philosophisch-poetisches Glaubensbekenntnis, das Resultat langjährigen, unabhängigen Nachdenkens, in bild- und wortreicher Fassung enthält.

Als begeisterter Amerikaner und entschiedener Fortschrittsmann verlangt Whitman, dass Kunst, Poesie, Philosophie und Erziehung vom demokratischen Principe durchdrungen seien und auf die Zukunft gestaltend wirkten. Die Lösung dieser Aufgabe verlangt er hauptsächlich vom Dichter, an den er dieselben vorbedingenden Anforderungen stellt, wie sie der Nibelungen-Jordan in seinen "Epischen Briefen" umfassend dargelegt hat. Was aber findet der amerikanische Dichter vor? Ein unternehmungslustiges, energisches Volk, das allerdings erstaunliche Leistungen auf dem Gebiete der Technik zu verzeichnen hat, sich aber sonst in solcher dichten Atmosphäre professioneller Heuchelei bewegt, dass das wahre Humanitätsgefühl – denn das versteht Whitman unter dem demokratischen Principe – noch nicht zum Durchbruch gekommen ist. Schnöde Geldmacherei hat eine Korruption geschaffen, die jedes Verbrechen sanktionirt. Amerika ist durch die Aufnahme neuer Staaten am Körper, nicht aber an der Seele gewachsen; die Masse ist in politischer Hinsicht reifer zur Selbstregierung geworden, aber die moralischen, ästhetischen und literarischen Resultate sind [21] äusserst gering. Wo sind, fragt er, die schönen Jünglinge mit edlen Manieren; wo die Frauen und Männer, die unserem materiellen Wohlstande entsprechen? Im Geschäfte, in der Kirche, auf der Strasse herrscht die Gemeinheit; die Jünglinge sind verschmitzt, naseweis und frühreif; die Frauen krank, wattirt, geschminkt und unfähig, Mutterpflichten zu übernehmen; die Männer blasirt und tot, lange bevor sie gestorben. Der amerikanischen Gesellschaft fehlt das erhebende und stärkende moralische Element und dieses derselben einzuflössen ist die Aufgabe der neuen Litteratur, die also nicht Altes kopirt und sich nicht nach dem richtet, was man so gewöhnlich Geschmack nennt; sondern die auf der Basis der exakten Wissenschaften und des wirklichen Lebens und nicht auf der einer verbildeten, krankhaften Fantasie die Männer belehrt und veredelt, die Jünglinge zu humanen Bestrebungen begeistert und die Frauen aus den Banden der Putzmacherinnen und des Wankelmuts erlöst. Für seine Demokratie, die jedem Manne wie jeder Frau dieselben Rechte zusichert, verlangt er ein Geschlecht von ausgeprägter Individualität, aber keine Schablonenmenschen und er wünscht daher Vaterschaft und Mutterschaft zu einer der wichtigsten und edelsten Fragen erhoben zu sehen. In die wahre Demokratie gehört ein starkes Geschlecht, wenn sie Bestand haben und ihre eigentlichen Zwecke erfüllen soll; die Jünglinge müssen frisch, beweglich, strebsam und erregbar sein; sie müssen Gefahren suchen und denselben trotzen; die Männer muss Mut, Treue, Selbstbeherrschung, Zuverlässigkeit, Ausdauer, robuste Gesundheit und ruhiger Ernst, der aber auch zum glühendsten Hasse umschlagen kann, karakterisiren. Den Frauen soll jede bürgerliche Laufbahn und Thätigkeit offen stehen, und überall sollen sie als Repräsentantinnen der Weiblichkeit, aber einer Weiblichkeit, wie sie bis jetzt [22] noch von keinem Dichter oder Novellisten geschildert worden ist und werden konnte, veredelnd wirken. Kleopatra, Hekuba, Brunhilde, Penelope und zahlreiche andere Heldinnen vergangener Jahrhunderte sind keine Ideale für die vom Feudalismus gesäuberte Demokratie. Da nun die Demokratie trotz ihrer in der Praxis gezeigten, aber leicht zu beseitigenden Mängel immerhin noch die beste Gelegenheit zur ungehinderten Entfaltung der Individualität und die wirksamste Schule zur Heranbildung patriotischer, auf das Gemeinwohl bedachter Männer abgibt, so fordert Whitman die heranwachsende Jugend eindringlich auf, sich eifrig am politischen Leben zu beteiligen, sich aber keiner Parteidiktatur zu fügen, sondern nur ihr unabhängiges, auf eigener Ueberzeugung beruhendes Urteil am Stimmkasten zum Ausdruck bringen.

Dieses Ideal soll der Dichter, dem er in seiner Demokratie die intellektuelle Herrschaft überträgt, dem Volke beständig vorhalten und zur Realisirung desselben anspornen. Er soll seine Inspiration durch die hiesigen Verhältnisse, durch hiesige Landschaften und Institutionen befruchten, und die Argonauten endlich zur Ruhe kommen, den Zorn des Achill verrauchen, Tristan und Isolde in der Minnegrotte, und Tannhäuser und Venus im Hörselberge unbelästigt weiter lieben lassen.

Die europäischen Litteraturen beruhen auf fremden, das demokratische Princip der politischen wie sozialen Gleichberechtigung verletzenden Bedingungen. Shakespeare, Scott und Tennyson kultiviren den Kastengeist, der hier vor Allem zerstört werden muss. Der Dichter Amerika's muss modern sein und ohne das Gute und Schöne seiner europäischen Kollegen zu ignoriren, auf eigenen Füssen stehen. Er muss der Sauerteig sein, der seine Nation und dann mit Hilfe derselben die ganze Welt moralisch, politisch und litterarisch durchsäuert. Er gehört zum [23] Volke, das ihn ohne ihm Vorrechte einzuräumen bereitwillig als seinen Gesetzgeber und Führer anerkennt.

Bryant's "Thanatopsis" und Poe's "Rabe" könnten in irgend einem Winkel Europas abgefasst worden sein; Longfellow's "Hiawatha", der auf einigen von Schoolcraft gesammelten Indianersagen beruht, ist nach dem Vorbilde der finnischen "Kalewala" gearbeitet und seine Idyllen "Evangeline" und "Miles Staudish" können auf das Prädikat "modern" keinen Anspruch erheben. Longfellow bringt stets nur alte Gedanken in neue Formen; er bietet nichts Beleidigendes, zeigt aber auch keine männliche Entschiedenheit, und doch hat er seine Verdienste, die nach Whitman darin bestehen, dass er die geldgierige angelsächsische Rasse auf die Anforderungen des Herzens und Gemütes aufmerksam machte; er war notwendig für Amerika in einer Zeit, da Alles vom Fabrikanten, Politiker und Finanzmann regulirt und tyrannisirt wurde. Der Dichter und der Mann der Wissenschaft sollen eins sein, sodass ersterer also nicht mehr seine Gedanken an fantastische Erzählungen zu reihen braucht, sondern dem Uebernatürlichen Valet sagen, sich auf realen Boden stellen und somit einen weitgehenderen und mächtigeren Einfluss auf seine Zeit äussern kann. Der Dichter soll nicht beständig mit seiner Tintenstange im Nebelreiche der Romantik herum fahren, sondern sich von den Wissenschaften neue Themen erschliessen lassen. Er soll körperliche und geistige Gesundheit predigen und von einem hohen Zwecke beseelt sein.

Die Poesie der Zukunft ist die Poesie der Anspornung, die mehr andeutet als sie ausspricht und mehr erwartet, als sie selber leistet. In derselben soll die wirkliche Natur und nicht diejenige, die wir nur vom Studirzimmer aus kennen, zur Anschauung kommen. Mit Offenheit und Ernst soll der Dichter das Volk gewinnen; er soll keine [24] Geheimnisse besitzen, sondern wie die Konstitution für alle Bürger bestimmt ist, so soll er Lieder und Gesänge für die Masse schreiben. Das gemeine, von den Dichtern der alten Welt so stiefmütterlich behandelte Volk soll sein Auditorium bilden, gibt es doch kein anderes Volk für ihn. Da er weder unterhalten, noch belustigen, oder sonstwie trägen Köpfen die Langeweile vertreiben will, so darf er nicht auf augenblickliche Anerkennung. rechnen, sondern muss sich mit der erfahrungsmässigen Lehre trösten, dass der Sensationsschriftsteller bald vergessen wird, der wahre Dichter und Denker aber noch in ferner Zukunft veredelnd wirkt.

Der moderne Dichter Amerikas braucht nicht zu fremden Fantasiegebilden seine Zuflucht zu nehmen, fehlt es ihm doch nirgends an dankbaren realen Stoffen. Die Entdeckung und Kolonisation Amerika's ist ein Thema, das alle von den klassischen Epikern behandelten Themen in den Schatten stellt; die poetische Verwertung des amerikanischen Sonderbundskrieges ist ein ergiebigerer und wichtigerer Stoff als die Belagerung und Eroberung Troja's.

Der westliche Pionier, der mit schwieliger Hand den Urwald lichtet und somit den Grund zu einer neuen Ansiedlung legt, ist von grösserer Bedeutung für den Dichter Amerika's als der frömmste Templeise oder der tapferste Ritter der Tafelrunde. Der allen Gefahren und Entbehrungen trotzende Goldgräber in einer von der Kultur unbeleckten Gegend; der Bergmann im dunklen Schosse der Erde und der Seemann auf trügerischem Ozean leisten der Menschheit bessere Dienste als die Armeen aller Despoten und sind daher für den Poeten der Demokratie von der grössten Wichtigkeit. Der Dichter soll nicht nur die ebenen, mit Schattenbäumen bepflanzten Wege wandern, sondern auch die Nebenstrassen aufsuchen und dort [25] Freundschaften anknüpfen. Theokrit empfing seine Inspirationen auf Bergen und in der Einsamkeit, aber er sang an den Höfen von Alexandria und Syrakus; der moderne Dichter aber singt dem Volke, dem er ja selber angehört und dessen Tröster und Führer er ist. Ja, der Unterschied zwischen Hoch und Niedrig ist ihm, dem ächten Demokraten, völlig unbekannt und dünkt ihm ein Verbrechen.

Whitman hat seinen Gedichten den bescheidenen Titel "Grashalme" gegeben. Das Gras, fast überall vorkommend, besticht weder durch Blütenpracht noch durch Formen; es ist ein einfaches, nützliches Naturprodukt und als solches sollen sich auch die Whitman'schen Schöpfungen bewähren. In dem einleitenden Gedichte erklärt er, dass er den modernen Menschen mit seinen Regungen, Leidenschaften und Handlungen, nicht nur seine Psychologie sondern auch seine Phisiologie und seine Bestimmung zur freiesten Thätigkeit singe. Die alternde Muse tritt zwar mit flammenden Augen zu ihm, zeigt ihm die unsterblichen Gesänge der Klassiker und fragt ihn, ob er dann nicht wisse, dass es für den ächten Dichter nur ein Thema, nämlich den Krieg mit seinen Helden gebe? Und er gibt darauf die stolze Antwort, dass er auch einen Krieg singe, aber einen blutigeren und längeren als irgend einer; sein Schlachtfeld sei die ganze, der politischen wie moralischen Erlösung bedürftige Welt. Er singt den Sang der in der Natur begründeten Menschenrechte und zur Erkämpfung derselben stellt er sich als bärtigen, sonnverbrannten Kameraden mit treuem, liebevollem Herzen vor. Rauh, derb und ungeschlacht tritt er auf; seine Sprache müsste man bombastisch nennen, wenn nicht jedes Wort von intensivem und bezauberndem Ernste erfüllt wäre.

Wenn er in seinem ersten, vielfach misverstandenen [26] Hauptgedichte, dem "Song of Myself" zu Anfang sagt "I celebrate myself" so will er dadurch nicht etwa die Gefahr von sich abwenden, nach einer bekannten Goethe'schen Maxime als Lump angesehen zu werden, sondern er tritt hier als Personification der Menschheit auf und verherrlicht dieselbe. Er identificirt sich mit Allem und Allen; er ist alt und jung, thöricht und weise. Er nimmt den flüchtigen Sklaven auf und theilt Tisch und Bett mit ihm; die dem Sträfling zugezählten Schläge treffen ihn. Wer überhaupt auf der Welt Unrecht thut, der fügt dies Walt Whitman zu. Dem Pionier hilft er seine Blockhütte errichten, dem schlafenden Säugling wehrt er die Fliegen und mit jedem Seemann befährt er den Ozean. Die Tiere sind seine Brüder; wie er, so wachen dieselben auch nicht in der Nacht und weinen über begangene Sünden, oder martern sich mit Diskussionen über Gott und Unsterblichkeit. Auch Mineralien und Pflanzen spürt er in sich und fragt sich, ob er früher einmal in denselben gelebt habe, weil ihm solche Gedanken kämen. Auch Byron fragt ja irgendwo: "Sind nicht die Berge, Wellen und Himmel ein Theil von mir und meiner Seele, wie ich von ihnen?" Whitman ist ein Kosmos und behauptet dies auch allen Ernstes. Er macht laute Musik, aber nicht nur für den Sieger, sondern auch für den Besiegten. Zu seiner reich besetzten Dichtertafel ladet er Alle ein; Diebe, Prostituirte und Krüppel sind ihm ebenso willkommen wie die Besten und Weisesten, und Jedem hat er etwas Beherzigenswertes zu sagen. Man lese nur die tiefsinnige, liebliche Antwort, die er einem Kinde auf dessen unschuldige Frage gibt, was das Gras sei, und man wird dem Dichter alle Trivialitäten und Verschwommenheiten dieser Rhapsodie gerne verzeihen.

Whitman ist der Dichter der Identität. Er ist der verschlagene Seemann, die verbrannte Hexe, der gehetzte [27] Sklave, der verunglückte Feuermann; mit jedem Verbrecher wird er bestraft und mit jedem Kranken leidet er. Die Brahmanische Devise "Tat Twam asi" ist auch die seinige.

Mit Mark Aurel betrachtet er den Tod als einen ganz natürlichen, schreckenslosen Akt, ohne aber wie dieser über die Flucht des Lebens zu klagen. Er sehnt auch nicht wie unsere modernen Pessimisten, den Tod zur Beendigung der Daseinsqualen herbei; denn der Schlussakt des Lebens kümmert ihn überhaupt nicht. Sein Körper, das weiss er, gibt guten Dünger; aber dies beleidigt sein Zartgefühl nicht, riecht er doch schon im Voraus den daraus erzeugten Rosenduft. Das Leben nennt er nur eine Pause; auf seiner monistischen Seelenwanderung ist er sicherlich schon mehr als zehn Tausend mal gestorben. Der von einer gewaltigen, ja zügellosen Fantasie getragene und an kühnen und frappirenden Gedanken reiche "Song of Myself" enthält Whitman's politisches und ethisches Glaubensbekenntnis in nuce; dass Manches darin ängstliche Gemüter in Aufregung versetzt, weiss er sehr wohl, ohne sich aber deshalb zu entschuldigen.

"I am not a bit tamed,
I sound my barbaric yawp over the roofs of the world."

Die unter dem Abteilungstitel "Adamskinder" stehenden Gedichte haben es hauptsächlich verursacht, dass Whitman als roher, schamloser Sensualist bekannt und damit ein für allemal der Stab über ihn gebrochen wurde. Wer diese Nummern oberflächlich durchliest muss gestehen, dass ihm darin allerdings starker Taback vorgeraucht wird; wenn man sie aber im Zusammenhang mit seinen übrigen Gedichten liest und dabei nicht ausser Acht lässt, dass Whitman als Hohepriester des Optimismus nichts Schlechtes kennt, sondern in der Natur Eins für so wichtig an seinem Platze hält wie das Andere, und [28] wenn man ferner des heiligen Ernstes gedenkt, der diese und überhaupt alle seine Schöpfungen beseelt, so wird man bald einer anderen Ansicht huldigen und Whitman gegen die landläufige Anklage der Obscönität in Schutz nehmen. Wenn Whitman obscön ist, dann ist es sicherlich auch das alte Testament. Whitman liefert keine Zoten, wie z. B. Shakespeare, um den "groundlings of the pit" einen geistigen Genus zu verschaffen; auch bietet er keine mit süssen Reimen überzuckerte Lüsternheiten und Schlüpfrigkeiten wie z. B. Shakespeare in "Venus und Adonis", Byron im "Don Juan" und Heine in seinem "Wintermärchen". Und doch finden sich alle diese Werke unbeanstandet in jeder Familienbibliothek; den ehrlichen, aufrichtigen Whitman aber, der im Geschlechtsleben weder eine Schande noch eine Unmoral, sondern eine der wichtigsten menschlichen Handlungen erblickt, will die zimpferliche Welt auf einmal in die Acht erklären. Nur die Betrachter der Natur, diese aber selbst nicht, sind schamlos, und wessen sich die Sonne nicht zu bescheinen sträubt, dessen schämt sich auch Whitman nicht, es zum poetischen Thema zu stempeln.

Die Frage ist nur, hat er nach den Regeln der Aesthetik die Berechtigung dazu. Abgesehen davon, dass es überhaupt schwer, ja vielleicht unmöglich ist, die Grenzen des poetisch und künstlerisch Erlaubten mit mathematischer Genauigkeit zu bestimmen, so wollen wir einmal hören, welche Auskunft uns Dr. Karl Lemcke in seiner vielverbreiteten populären "Aesthetik" gibt. Dort lesen wir Seite 50 und 51:

"Es kommt Alles auf die ästhetische Kraft des Künstlers an, auf die Stärke, Reinheit, man könnte sagen Heiligkeit seines künstlerischen Sinnes, aus dem das Werk gezeugt und geboren wird. Wird ein Werk z. B. aus schlüpfriger Sinnlichkeit heraus geschaffen und verwertet der Künstler [29] dafür auch die schönsten Formen, so ist das Werk trotz des – schlecht verwandten, weil verführenden – Schönen verwerflich. Die Kunst ist herab gewürdigt und zur Dienerin der Lüste gemacht. Wird ein Werk aus reinem Schönheitsgefühl geschaffen, so kümmert es den Künstler nicht, ob Einer oder der Andere darin Unsittlichkeit findet, oder unedel sinnlich erregt wird. Der Reine kann ein edles Meisterwerk in demjenigen zeigen, welches uns von einem Unreinen behandelt, frech, schamlos und abscheulich erscheint."

Und Seite 355 desselben Werkes heisst es:

"Wo die wahre Veredlung eingetreten ist, wo die Sinnlichkeit in jeder Beziehung schön erscheint, natürlich ist und doch günstig geläutert, geistig und doch natürlich, da gibt es keine Scham im gewöhnlichen Sinne, die Verhüllungen braucht, um nicht den Eindruck der Sinnlichkeit, oder die unwillige Abwehr gegen dieselbe zu erwecken. Da ist Nacktheit keuscher als ein Verstecken, das mehr darauf hinweist, dass etwas verborgen ist, als das Verborgene vergessen lässt. Der Künstler, der keusch, wie jede Kunst sein und machen soll, nur die Schönheit verfolgt, nicht aber sich um gemeine sinnliche Nebendinge und Zwecke kümmert, wird ein Kunstwerk schaffen, das auch der keuschesten Seele keinen Schaden bringt, sondern sie höchstens über ihre Ueberspannung belehren kann."

Und was die Wahl der poetisehen Stoffe anbelangt so äussert sich Victor Hugo in dem Vorworte zu "Les Orientales" darüber, dass Alles in der Poesie das Bürgerrecht habe und dass es keine guten und schlechten Stoffe, sondern nur gute und schlechte Dichter gebe. Doch nur dem Reinen ist bekanntlich Alles rein; in den Händen der Sensationsschriftsteller aber hat die Befolgung der Hugo'schen Ansichten zu solchen realistischen Schöpfun[30]gen geführt und zwar nicht allein in Frankreich, sondern neuerdings auch in Deutschland, dass nach einem Epigramm von Paul Heyse die Muse trauernd daran vorüber geht und sich die Nase zuhält.

Whitman braucht wie Adam und Eva vor dem Sündenfalle keine Feigenblätter. Als sich der sturmverschlagene nackte Odysseus der lieblichen Nausikaa und ihrer Zofen näherte, da hielt er sich doch wenigstens in Ermangelung einer besseren Hülle einen Baumzweig vor die Lenden; Whitman jedoch tritt der gesammten Menschheit in puris naturalibus gegenüber.

Die traditionelle Scham ist durch die Vertreter der christlichen Religion, welche den menschlichen Leib, von Luther Madensack genannt, zum Urheber aller Sünden stempelte, zu einer lobenswerten Tugend aufgebauscht worden; nun aber kommt ein vom Geiste des Griechentums durchdrungener Dichter und predigt die Erhabenheit des menschlichen Körpers und die Heiligkeit der Handlungen desselben. Whitman ist Dichter der ganzen Persönlichkeit, der nicht nur den Tod, sondern auch die Geburt und deren notwendige Vorbedingungen von ernstem, idealem Standpunkte aus feiert, ohne sich dabei auch nur im Geringsten schlüpfriger oder lüsterner Zweideutigkeiten zu bedienen. Ohne sich auf irgend welche Komprommisse einzulassen tritt er der krankhaften Prüderie, die alle Statuen der klassischen Götterwelt in moderne Hosen stecken möchte, keck gegenüber und demonstrirt die heuchlerische Hohlheit derselben. Wenn man heute hin und wieder den Tiraden unserer männlichen und weiblichen Moralisten lauscht, so muss man denken, die Welt sehnte sich nach der Realisirung des Plato'schen Mythus von der Vereinigung des männlichen und weiblichen Princips in einem Individuum und stimmte in die Verfluchung Jupiters ein, der jene Naturen separirte. Ja, [31] nach der Sonntagsschulreligion unseres Landes sollten wahrlich die Menschen aus Anstandsrücksichten und zum Heile ihrer Seelen schon längst generis neutrius geworden sein, oder sich doch wenigstens so schnell wie möglich zu den Sektenlehren der Zitterer und Rappisten bekehren. Whitman schwelgt wie der Grieche in Formenschönheit und sieht da Göttliches, wo Andere die Augen niederschlagen. Die Vereinigung der höchsten Schönheit und Kraft im menschlichen Körper ist sein Ideal.

Die "Adamskinder" sind häufig von Whitman's Gegnern und auch selbst von denen, die ihm poetisches Talent und ehrliche Absichten zusprechen, moderne Phalluslieder genannt worden; aber mit den bei den Dionysien üblichen Scherz- und Spottreden, von denen uns z. B. Aristophanes im Kannenfeste seiner "Acharner" eine Probe liefert, haben sie auch rein gar nichts gemein; denn hier werden keine Zoten gerissen, sondern einfache durch die Naturgesetze bedingten Handlungen in ungewohnt würdiger Weise verherrlicht. Naturalia non sunt turpia. Nie und nirgends ist Whitman in seinen Schriften unmoralisch oder obscön; nirgends huldigt er den konventionellen Lügen der Gesellschaft und kasteit Körper und Vernunft.

Wenn die Definition, die Mark Aurel von der Tugend gibt, richtig ist, – nämlich dass sie in einer enthusiastischen Sympathie mit der Natur bestehe – dann ist Whitman einer der tugendhaftesten Menschen auf dem ganzen Erdboden. Scham und Moral bestehen nicht in einem umgehängten Kleide. Whitman feiert das Geschlechtsleben im Interesse des menschlichen Fortschrittes, im Interesse des physischen wie moralischen Wohlbefindens.

Wenn aber alle Werke mit wirklich obscönen Stellen ausgerottet werden sollten, wo blieben da Shakespeare, Aristophanes, Homer, Dante, Juvenal, Lucian, Rabelais, Goethe, Byron u. s. w.? Da würden uns zur geistigen Er[32]quickung vielleicht nur noch die keuschen ABC Bücher, oder fromme Kernliedersammlungen dienen müssen. Fort auch mit Sonne und Mond, denn beide haben ihre Flecken! Fort mit dem Urwald, denn es hausen giftige Schlangen und andere gefährliche Tiere darin! Fort mit der Menschheit und der ganzen Welt, denn überall gibt es etwas auszusetzen!

In der Abteilung "Calamus" finden wir ihn in seinem eigentlichen Elemente, in der freien Natur. Dort grübelt er, da er zum Unglücke seines Stils die Werke der spekulativen Philosophen Deutschlands gründlich durchstudirt hat, über die Ungewissheit der Erscheinungen und ähnliche metaphysische Themata nach. Da ihn keine misanthropische Laune in die Einsamkeit getrieben hat, so regt sich dort sein phänomenales Freundschaftsgefühl erst recht in ihm; Jedem, dem er zufällig begegnet, blickt er tief ins Auge und erkennt ihn – ist er doch mit ihm aufgewachsen, hat mit ihm zusammen an einem Tische gegessen und getrunken und ist mithin Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein. Dann klagt er, dass man ihn beschuldigt habe, die bestehende Ordnung umstürzen zu wollen; was er aber ohne Statuten, Debatten und Beamte gründen wolle sei ein Reich der Liebe und Freundschaft, das alle Menschen der Erde in sich vereinige. Seine die Freundschaft feiernden Gedichte sind die intensivsten, ehrlichsten und packendsten der gesammten einschlägigen Litteratur. Sie enthalten keine billigen und wohlklingenden, aber im Grunde nichtssagenden Phrasen; nein, Whitman spricht immer aus voller, treuer Seele und hat durch seine Lebensgeschichte bewiesen, dass er stets bereit ist, für die volle Bedeutung eines jeden seiner Worte persönlich einzutreten.

Hesiod lässt in seiner Schöpfungslehre den Eros als das gestaltende Element und als die Grundursache alles Seins [33] das Chaos regeln; eine ähnliche Aufgabe überträgt Whitman der Liebe oder der Freundschaft – Jeden nennt er lover – und will damit alle sozialen, politischen, philosophischen und ethischen Fragen lösen.

Er beneidet keinen ruhmgekrönten Sieger um seine Lorbeeren und keine schöne Banquierstochter um ihre Diamanten und Perlen; wenn er aber von einem bis in den Tod dauernden Freundschaftsbündnisse hört, wird er stille und der Neid regt sich in ihm, denn er möchte gerne als der treueste der treuen Freunde gerühmt werden. Er habe, so spricht er, keine Maschine erfunden, keine Heldenthat begangen und kein Buch für den Nipptisch geschrieben; auch könne er keinem Hospitale und keiner öffentlichen Bibliothek reiche Schenkungen hinterlassen; aber er habe dafür einige Lieder der Freundschaft und Liebe in die Luft gehaucht und wenn dieselben im Herzen seiner Kameraden, aller Menschen nämlich, ein Echo fänden und somit ihren wahren Zweck erfüllten, dann lebe er ewig, denn er habe ja alsdann das bisher für unmöglich Gehaltene vollbracht und alle Rätsel gelöst.

Die Freundschaft der Jetztzeit beruht auf Gleichheit des Karakters, der Gesinnung und Geschmacksrichtung; bei den Griechen galt körperliche Schönheit wie heute bei beiden Geschlechtern als Vorbedingung. Die den Griechen als Muster dienende Freundschaft zwischen Achill und Patroklus war eine heroische Passion; die Freundschaft zwischen David und Jonathan hatte ihre Stütze in gleichem Alter und Edelmute; die Whitman'sche Freundschaft aber ist ächt demokratisch, denn sie umschliesst alle Menschen ohne Ausnahme.

In der sich diesen Freundschaftsliedern würdig anschliessenden Rhapsodie "Salut au Monde", dem grossartigen Weltgrusse, macht er auf Winden und Strömen einen Fantasiegang über die ganze Erde, um alle Völker [34] seiner aufrichtigen Freundschaft und Liebe zu versichern. Sein Lied von der Holzaxt, dem Instrumente, mit dem man Tyrannen köpft und friedliche Hütten baut, ist ein schwungvoller Hochgesang auf den Fortschritt, die Civilisation und die Demokratie.

In seinem Psalme von der amerikanischen Centennialfeier ladet er die Muse der alten Welt ein, die poetischen Themata der neuen Welt zu studiren und sich statt den alten Pyramiden und Ritterburgen, jener Denkmäler tyrannischer Unterdrückung, einmal den demokratischen Tempel der amerikanischen Industrie anzusehen und der Sprache der Maschinen zu lauschen. In diesem Tempel hat die aus der alten Welt verbannte Göttin des Friedens und der Freiheit eine Zuflucht gefunden; nicht Fürsten haben ihn durch Sklaven errichten lassen, sondern der freie Mann hat ihn aus eigenem Antriebe erbaut. Wie Whitman's Liebe und Freundschaft, so ist auch seine mitunter an die patriotischen Ergüsse Victor Hugo's erinnernde Verherrlichung Amerika's ohne Grenzen. Die Union ist ihm das erhabenste Drama der Humanität und jeder amerikanische Lokomotivführer ist ihm wichtiger als alle Götter Griechenlands oder irgend eine äschyleische Heldengestalt.

Victor Hugo empfiehlt den Dichtern poetische Stoffe des Mittelalters und des Orientes zur Bearbeitung; Whitman aber greift in die volle Gegenwart hinein und folgt somit einem Ausspruche Homer's, nach welchem

— "als vorzüglichstes Lied stets das bei den Leuten im Ruf steht,
Welches dem Hörer erzählt, was aus jüngster Zeit ihm vertraut ist"

In Whitman's Gedichten hören wir das Schnauben der Maschinen, das Flüstern des Windes in den Telegraphendrähten und den summenden Lärm der Werkstätte; unübersehbare Ozeane, Prairien und Urwälder dehnen sich darin aus und wenn er erst an das Aufzählen der ameri[35]kanischen Staaten, Flüsse und Gebirge kommt, dann misst er das Metrum seiner Streckverse mit dem Speere Goliaths und scheint für seine Begeisterung kein Ende finden zu wollen.

Hans von Wollzogen sagt in seiner Schrift: "Richard Wagner und die deutsche Kultur": "Will der Deutsche zu einer idealen Kultur gelangen, so muss er mit der historischen Civilisation brechen und sich auf eigene Füsse stellen." Dasselbe verlangt Whitman vom Amerikaner und hat dieser Idee sein Leben und Streben geopfert.

Die Abteilung "Seadrift" enthält die unvergleichliche Vogelidylle "Out of the Cradle endlessly rocking." Hätte Whitman auch sonst keine einzige Zeile geschrieben, dieses Gedicht allein würde ihm, solange es überhaupt noch Gemüter gibt, denen die Poesie Bedürfnis ist, die Unsterblichkeit sichern.

Der Dichter ist plötzlich wieder jung geworden und singt, am sandigen Ufer Paumanoks liegend, eine Erinnerung aus seiner Knabenzeit, wie er täglich am Strande zwei gefiederte Sänger aus Alabama so lange beobachtete, bis sich dieselben so an seine harmlose Gegenwart gewöhnt hatten, dass sie sich durch ihn vom Nesterbau und anderen Beschäftigungen nicht mehr abhalten liessen.

Beide Vögel bitten in einem Liede von bezaubernder, an das deutsche Volkslied lebhaft erinnernden Naivetät, die Sonne um ihre wärmenden Strahlen; doch mögen auch trübe Tage kommen und die Stürme aus allen Himmelsgegenden sie umtosen, es kümmert sie nicht, solange sie beide nur beisammen sind. Eines Tages aber kommt das Weibchen von seinem Ausfluge nicht mehr zurück und das Männchen versucht nun mit seinem Gesänge den Wellenschlag zu übertönen, um der Gefährtin mitzuteilen, dass es auf ihre Rückkehr warte. In ergreifenden Liedern haucht es seine Klage und Sehnsucht aus; verzweifelnd [36] bittet es die Wellen, doch stille zu sein, damit es sein Weibchen höre; aber nicht auffallend plötzlich sollten sie stille sein, damit es nicht etwa erschrecke und aus Angst zurück fliege. Doch es singt und klagt vergeblich; der schwarze Fleck in der Luft ist ein vom Winde gejagtes Blatt und die Antwort der Gefährtin stellte sich als das Säuseln des Windes heraus. Das wehmütige Klagelied erweckt im Dichter die Liebe zum Gesange, und während ihm die Wellen das süsse Wort "tot" zuflüstern schreitet er der Heimat mit dem Vorsatze zu, das Lied des trauernden Vogels zu verdollmetschen und Sänger der Alles überwindenden Liebe und Freundschaft zu werden.

Den unwiderstehlichen Reiz dieses Idyllions auch nur einigermassen in Prosa wieder zu geben ist eine reine Unmöglichkeit, weshalb ich mich auch hier mit einer kurzen Inhaltsangabe begnügt habe. Hätte es ein als klassisch geltender Grieche oder Römer, ein Theokrit oder Vergil geschrieben so befände es sich heute auf dem Lehrplane aller Gymnasien; die Philologie-Professoren würden es mit textkritischen Erörterungen überschwemmen und die Aesthetiker endlose Abhandlungen darüber regnen lassen.

Ich bekenne offen, dass mir aus der gesammten Idyllenlitteratur kein gemütstieferes, zarteres und ergreifenderes Gedicht als Whitman's Vogelidylle bekannt ist; wer also in dieser Hinsicht meine Kenntnisse bereichert verpflichtet mich zu grossem Danke.

In den "Drumtaps" oder Trommelschlägen, die während des Sonderbundskrieges entstanden sind und Scenen desselben verherrlichen, verleiht Whitman seinen patriotischen und philanthropischen Gefühlen energischen Ausdruck. Hier predigt er weder Sanftmut noch Versöhnung, sondern Sturm und Krieg gegen diejenigen, welche im Lande der Freiheit das schmachvolle Institut der Sklaverei [37] verteidigten. Seine Elegie auf den Tod Lincoln's, anfangend

"When lilacs last at the dooryard bloom'd,"

hält einen günstigen Vergleich mit den besten Threnen und Nänien Griechenlands und Roms aus; nur tritt bei Whitman mehr das lyrische Element in den Vordergrund, während dem in den altklassischen Elegien als Regel der epische Karakter vorherrscht.

Mehrere seiner kleinen epigrammartigen Gedichte, wie er sie auf einsamen Spaziergängen in sein Notizbuch schrieb und dann den "Grashalmen" einverleibte, sind absolut ohne jede Originalität und würde sie selbst ein Herausgeber des obskursten Winkelblattes nicht einmal abgedruckt haben. Von gewissen Goethe'schen Reimereien lässt sich übrigens dasselbe sagen. Eigentliche Liebes- und Trinklieder hat Whitman nicht geschrieben und er gehört daher nach einer Bemerkung Gottschalls in ein Kuriositätenkabinet. Was letztere anbelangt so verdient Whitman, der beiläufig gesagt, durchaus kein Temperenzler ist und das amerikanische Bier für das beste der Welt hält, eher unser Lob als unseren Tadel; denn an Trinkliedern hat allein unser deutsehes Vaterland einen so reichhaltigen Vorrat, dass es dem ganzen Menschengeschlechte der Gegenwart und Zukunft damit aushelfen kann. Liebeslieder hat er übrigens doch geschrieben; aber dieselben sind nicht an irgend ein schmachtendes Mädchen aus der Fremde, von dem der Leser weder weiss, woher es kommt noch wohin es geht, sondern vielmehr an die gesammte Menschheit gerichtet.

Nicht allein die beständige Verschmelzung der Poesie und Philosophie, wie wir es z. B. auch bei den Indern und mehreren Griechen finden, sondern auch die unzusammenhängenden Strophen- Abteilungen und der durch keine Andeutung erleichterte Uebergang von den rein [38] lyrischen zu den trockensten didaktischen Stellen erschweren die Lektüre und das Verständnis der "Grashalme" ausserordentlich und der denkende Leser sieht sich oft der Aufgabe eines Rätsellösers gegenüber. Whitman's "Grashalme" sind ein Abbild der freien Natur, in der die Eiche neben dem Veilchen und die Distel neben der Sonnenblume steht, ohne dass sie uns von ihrem Verhältnis zu einander Auskunft geben. Whitman klagt, dass er öfters gefragt werde, was dieses oder jenes bedeute. Ja, erwidert er darauf, wer erklärt den Sternenhimmel, das Branden des Meeres, oder die Liebe? Und damit will er ungefähr sagen, dass gewisse Dinge nicht mit dem kalten Verstande, sondern nur mit dem Gemüte und Gefühl erfasst werden sollen.

Da er die Natur weder wie Griechen und Römer mit ganzen und halben Göttern, noch wie die Germanen mit Riesen, Kobolden, Zwergen und ähnlichem Gesindel bevölkert, sondern sich ruhig ihrer unmittelbaren Einwirkung unterwirft, so sind seine Aufzeichnungen, resp. Gedichte auch ein getreues Spiegelbild seiner Umgebung mit allen ihren Schroffheiten und Ungereimtheiten. Whitman hält sich daher auch betreffs seiner Aeusserungen und Versündigungen an der Schulgrammatik für ebenso unverantwortlich, wie das angeblich unter geisterhaftem Einfluss arbeitenden spiritualistische Schreibmedium für die von ihm fixirten Mitteilungen.

Die Leitmotive der Whitman'schen Gesänge sind unwandelbare Freundschaft, ungetrübte Freude, ungehinderter Fortschritt auf allen Gebieten, liebevolles Anschliessen an die Natur und Befolgung ihrer Lehren und unbeeinträchtigte Gleichberechtigung aller Menschen, der Männer sowohl wie der Frauen. Seine "Grashalme" sind nicht für den Parlor geschrieben; auch eignen sich nicht alle zum Vorlesen im Kreise zartgeschaffener Seelen.

[39] Der englische Geistliche William Fox, ein weisser Rabe, sagt zwar, dass Whitman's "Grashalme" mit der Zeit überall citirt und auf das Leben angewandt würden; da jedoch ein Methusalemsalter heutigen Tages nicht mehr vorkommt, so wird wol schwerlich Jemand von uns diese Zeit erleben. In den Kirchen dürften sie wenigstens nicht so bald gesungen werden.

Wer die "Grashalme" recht verstehen will muss dahin gehen, wo sie entstanden sind. Er steige also auf die Berge, gehe ans Meerufer, flüchte sich in den Urwald oder atme Prairieluft; er besuche die belebten Strassen, wage sich in die Stätten des Elends und Verbrechens, oder mische sich unter die Fabrikarbeiter. Whitman selbst ist trotz seiner Vorliebe für Natureinsamkeit doch nicht für ein beschauliches Stillleben geschaffen. Behaltet, sagt er in einem seiner Gedichte, euer idyllisches Hüttchen am Waldessaum; gebt mir die Strassen Manhattan's und lasst mich den Menschen ins Antlitz sehen! Er will frische Luft, Thätigkeit, Kraft und Gesundheit. Melancholie und Passimismus sind ihm bitter verhasst und Kirchhofs- und Mondscheingedanken überlässt er denjenigen, welchen der Wert und die Aufgaben des Lebens unbekannte Begriffe sind.

Betreffs der Weltanschauung Whitman's können wir uns, da wir sie bei der Betrachtung seiner "Grashalme" bereits übersichtlich skizzirt haben, nun kurz fassen.

Die Hauptfragen der Religion haben ihn nie sonderlich gekümmert. Ueber die Existenz Gottes argumentirt er nicht und was die Unsterblichkeit betrifft, so glaubt er, von eben so ewiger Dauer zu sein, wie irgend ein anderer Teil der Natur. Einen wesentlichen Unterschied zwischen Natur und Geist, Kraft und Stoff kennt er nicht und ist demnach den Anhängern des Monismus zuzuzählen.

[40] In dem "Song of Myself" sagt er:

"I have said that the soul is not more than the body,
And I have said that the body is not more than the soul,
And nothing, not God, is greater to one than one's self is."

Wenn er nun aber doch hin und wieder den Namen "Gott" gebraucht so versteht er darunter im Grunde nichts Anders, als sein eigenes moralisches Gefühl, das er in Menschen und Natur hinein gelegt hat, und bewahrheitet somit auch den alten Satz, dass die Götter Fantasiegebilde der Menschen seien. Seine Religion ist der kategorische Imperativ, der die Menschheit zur geistigen wie politischen Freiheit fuhrt. Mit den Sektendogmen hat er nichts gemein.

In dem Gedichte "To him that was crucified" stellt er sich mit dem Stifter der christlichen Religion auf eine Stufe; mit demselben teilt er die Liebe zum Volke, die Geringschätzung kirchlicher Satzungen und hält eine einfache Feldblume für bewunderungswürdiger als alle Pracht Salomo's. Als Verehrer Thomas Paine's nimmt er denselben gegen die gehässigen Angriffe seiner Landsleute kräftig in Schutz und hält dessen Verdiensten um die politische und religiöse Freiheit Amerika's eine geharnischte Lobrede.

"Whitman ist kein gläubiger Christ" hört man häufig sagen. Fragt man nun die gläubigen Katholiken, Lutheraner, Methodisten, Albrechtsbrüder und sonstige fromme Brüder nach der Definition jenes Ausdrucks so wird man durch ihre widersprechenden Antworten nur in Verwirrung geraten. Wir wollen daher einmal die Bibel, auf die sich jene gläubigen Herren ja doch auch berufen, konsultiren. Im Evangelium Matthäi befindet sich am Schlüsse des 25. Kapitels eine Dichtung, der wir folgende Verse entnehmen.

[41] "Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet;

Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zu seiner Linken.

Da wird der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset.

Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget.

Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und haben dich beherbergt? oder nackend, und haben dich bekleidet?

Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen?

Und der König wird antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan.

Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: "Gehet hin von mir, ihr verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket.

Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet.

Da werden sie ihm auch antworten: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet?

Da wird er ihnen antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht gethan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan.

Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben."

Diese Dichtung ist vielleicht wichtiger durch das, was darin verschwiegen als durch das, was darin ausführlich berichtet wird. Der hier fungirende Richter fragt nämlich die ihm vorgeführten Menschen nicht, ob sie an die unbefleckte Empfängnis, an den Sündenfall, an die Drei[42]einigkeit oder an Eliä feurige Himmelfahrt geglaubt hätten; auch scheint es ihm gleichgiltig zu sein, ob einer der lutherischen oder reformirten Ansicht vom heiligen Abendmahl gehuldigt hat; ja, er fragt noch nicht einmal, ob einer Christ, Jude, Muhamedaner, Mormone, Buddhist oder sonst etwas gewesen ist, sondern er lässt einfach die Mühseligen und Beladenen als Zeugen auftreten und erklärt, dass man das, was man diesen gethan, ihm gethan habe und basirt darauf sein Urteil.

Whitman, der seine Andacht meist in der freien Natur verrichtete und vielleicht niemals einen Cent zur Bekehrung der Südsee-Insulaner und anderer Aboriginalkaffern in den Klingelbeutel warf, wird vor jenem Tribunal ehrenvoll bestehen können; denn er hat die Kranken besucht und gepflegt; demjenigen; der keinen Rock hatte, den seinigen gegeben und ist Jedem ein treuer, aufopfernder Freund gewesen. Wenn er aber trotzdem kein Christ zu nennen ist, so spricht dies wahrhaftig nicht zu Gunsten der christlichen Religion.

Man mag meinetwegen das Mitleid, dem Buddha eine magische Gewalt über Menschen und Tiere zuschreibt, mit einigen philosophischen Haarspaltern dem Egoismus entspringen lassen, weil es zur Erfüllung individueller Wünsche antreibe und dadurch individuellen Genuss gewähre; soviel aber muss man zugeben, dass jene Wünsche der edelsten Art sind und zugleich beklagen, dass es der betreffenden Egoisten leider noch so wenige gibt.

Mit Rousseau, mit dem Whitman überhaupt manche Ideen teilt, hat er die Verteidigung der Souverainetät des Volkes gemein; so mild und sanft, wie er sonst ist, so könnte er doch nach eigenem Geständnisse alle Monarchen mit ihren Schergen erdrosseln. In einem blos skizzirten und niemals gehaltenen Vortrage über die Ausstände der Arbeiter und das Ueberhandnehmen der Land[43]streicherei nennt er die Nationalökonomie die Wissenschaft der Nationalarmut. Die Anhäufung des Reichtums in wenigen Händen Europa's sei nur durch Jahrhunderte lange Eingriffe in die wahren Menschenrechte möglich gemacht worden; hier in Amerika suchen wir nun analoge Zustände zu schaffen. Im Aermsten findet man oft Spuren der edelsten Tugenden, so dass man also die Erhaltung des Staates nicht blos den Reichen zu übertragen braucht. Der Kampf gegen die Monopole und die weise Verteilung des Nationalreichtums ist eine absolute Notwendigkeit. Wenn aber Amerika trotz seiner unerschöpflichen Hilfsquellen eine Armee von armen, verzweifelnden, unzufriedenen, heimatlosen und hungernden Menschen erzeugt, dann muss unser republikanisches Experiment als Fehlschlag betrachtet werden. Dies schrieb Whitman an einem Tage, als er sah, wie drei anständig aussehende und körperlich starke Amerikaner damit beschäftigt waren, Knochen und Lumpen von der Strasse aufzulesen und sie in Bündeln auf dem Rücken fortzuschleppen. Er huldigt also der Ansicht Sismondi's, nach welcher die Prosperität eines Landes nicht in dem ungeheuren Reichtum Weniger, sondern im Wohlstande der Masse des Volkes beruht.

Den Geist des Griechentums hat Whitman mehr erfasst und entschiedener zur Anschauung gebracht als irgend ein anderer moderner Schriftsteller oder Dichter. Vom Ausgleich des Intellektes mit der Sinnlichkeit ausgehend sucht er alle Anlagen harmonisch zu entwickeln. Er möchte gerne den mit edlem Selbstgefühl gepaarten Schönheitssinn der Griechen mit der Unbeugsamkeit, Energie und mit dem auf die Nützlichkeit gerichteten Streben der Römer in einer Nation, nämlich der amerikanischen, vereinigt sehen. Die aber den Griechen natürlich erscheinende Geringschätzung der Frauen teilt Whitman nicht; [44] er hat die Frauen ohne eigentliche Liebeslieder gedichtet zu haben, herrlicher gefeiert als irgend ein süsser Minnesänger vorher, so dass einst einer seiner Freunde die sarkastische Bemerkung machte, wenn der Grashalmendichter jemals verheiratet gewesen wäre, so würde er sicherlich mit seinem Lobe der Frauen sparsamer umgegangen sein.

Auch die Scheu der thatendurstigen Griechen vor dem Tode teilt er nicht; den düsteren Hades, der denselben in Aussicht stand und der dem Achill den Wunsch auspresste, er wolle lieber beim ärmsten Manne Tagelöhner als König der Schatten sein, kennt und furchtet er nicht; und trotzdem ihm die von der Religion in Aussicht gestellte Lösung aller irdischen Rätsel als Kindermärchen erscheint, so hat der Tod doch keine Schrecken für ihn und er begrüsst ihn ruhig als einen notwendigen Akt zur Beschleunigung des Kreislaufes der Elemente.

Whitman ist, wie bereits bemerkt, der Hohepriester des Optimismus. Meine Seele ist rein, sagt er, und Alles, was nicht meine Seele ist. Gutes und Böses sind in ihm so fest zusammen gewachsen wie das Schlangenpaar in Dante's "Hölle", gewähren aber einen friedlicheren Anblick.

Er sucht das Schöne im Leben und legt es auch zugleich hinein. Alles ist ihm so gut wie es augenblicklich sein kann; damit will er aber durchaus nicht sagen, dass die Menschen nun beruhigt die Hände in den Schos legen und Alles beim Alten lassen sollen. "Excelsior" heisst sein Wahlspruch; denn wer es fertig bringen kann, den Traum der Weltverbrüderung zu träumen und an die einstige Verwirklichung desselben aufrichtig zu glauben, der muss thätig und strebsam sein und durch Wort und Beispiel seine Mitmenschen zur gemeinsamen Arbeit auffordern.

[45] In der Vorrede zur ersten, nun ungemein selten gewordenen und von Bibliomanen mit Gold aufgewogenen Ausgabe der "Grashalme" gibt er seinem Leser folgende Lehren: Hasse die Tyrannen; habe Geduld und Nachsicht mit dem Volke; disputire nicht über Gott; nimm deinen Hut weder vor etwas Bekanntem, noch Unbekanntem, noch vor irgend einem Menschen ab; prüfe Alles, was du in der Kirche, der Schule, oder aus Büchern gelernt hast und wirf Alles fort, was deiner Seele schadet!

Von der Zukunft erwartet er Alles und deshalb erträgt er auch seine Unbeachtung und Verachtung mit beispielloser Resignation. Die Aufgabe des amerikanischen Dichters, des Dichters der Demokratie, ist nach Whitman ein Princip oder eine Idee zu kreiren, welche die Staaten und ihre Bürger fester an einander kettet als irgend eine papierene, mit Siegeln und Unterschriften versehene Konstitution. Der Dichter soll also Lehrer und Richter, kurzum Führer in Krieg und Frieden sein; er soll Alle mit seiner Liebe umfassen, sodass ihm auch Liebe entgegen gebracht werden kann. Diesen Dichter unterwirft er nun einem Examen betreffs seiner Kenntnisse, Sympathieen und Pflichten und erklärt dann mit einem unerhörten Selbstbewusstsein, dass er, Walt Whitman, alle Bedingungen erfüllt habe und warten könne, bis man ihn verstehe. Er habe die alten Meister studirt, mögen ihn nun auch die Meister der Zukunft studiren. Was die orphischen Hymnen den alten Griechen, die Veden den Indern und die Edda unseren germanischen Altvordern waren, das sollen Whitman's "Grashalme" der neuen Welt, der Demokratie, sein.

Dass solches Auftreten die verschiedenartigsten Beurteilungen hervorrufen musste liegt auf der Hand; und um seinen Zeitgenossen einen Begriff davon zu geben, welche Ideen sich die Herren Kritiker über ihn gebildet hatten. [46] liess er alle von ihm gesammelten Besprechungen, die günstigen sowol wie die ungünstigen 1860 zu Boston in Broschürenform drucken und überliess dann das Weitere ruhig dem Publikum. Schade, dass dieses interessante Werkchen längst aus dem Buchhandel verschwunden ist.

So hat Whitman die Vorurteile gegen sich gewaltig herausgefordert, die Konsequenzen aber mit Ausdauer und Ruhe ertragen. Sicherlich gehört eine seltene Energie und eine felsenfeste Ueberzeugung von der eigenen Bedeutung dazu, allem Konventionalismus der Gegenwart Hohn zu sprechen und sich mit dem Gedanken zu trösten, erst dann gewürdigt und geschätzt zu werden, nachdem man längst den Weg alles Fleisches gegangen ist.

Ein Genie ist Whitman unstreitig und als solches ist er sein eigener Gesetzgeber. Wenn nun ein berümter Psychologe behauptet, das Genie sei nicht der Freund, an dessen Busen man in Sturm und Not ausruhen könne, weil die Gemütsstimmungen desselben einem schnellen Wechsel unterworfen seien, so hat dies keine Anwendung auf den Verfasser der "Grashalme", denn derselbe ist vielleicht in der Rolle eines Freundes ein grösseres Genie als in der eines Poeten.

Whitman's Bedeutung ist zuerst in vollem Umfange von den Engländern gewürdigt worden. Die Professoren und Literarhistoriker Dowden, Symonds und Clifford veröffentlichten panegyrische Essays über ihn und die sogenannten Prä-Raphaeliten, wie Swinburne, Rosetti, Morris, Buchanan und Oscar Wilde, sowie auch der Kunstschriftsteller Ruskin haben nicht nur ihr Möglichstes gethan, ihm ein grosses Lesepublikum in England zu erobern, sondern sie haben ihn auch durch bedeutende Geldgeschenke in seinem Alter von den unangenehmsten Sorgen befreit.

In der Dezembernummer 1882 des "Nineteenth Century" behauptet ein englischer Essayist, dass die meisten [47] Amerikaner noch zu engherzig seien, um einen Geist wie Whitman verstehen und schätzen zu können.

In Deutschland brach einst Freiligrath in der Augsburger Allgemeinen eine Lanze für ihn, ohne jedoch dadurch auch nur ein vorübergehendes Interesse für die "Grashalme" und ihren Verfasser zu erwecken. Mit mehr Erfolg hat sich seiner in Dänemark der talentvolle Novellist Rudolf Schmidt angenommen.

In Amerika suchte man ihn anfangs durch eine grenzenlos gemeine Behandlung von Seiten der Presse für immer tot zu machen, und als dies nicht ging, ihn tot zu schweigen.

Mit der Erwähnung der beiden Gedichte "A Woman waits for me" und "To a common Prostitute" sollte er von den Puritanern ein für allemal in den Bann gethan werden, wohingegen doch der Christ nach Luther's Erklärung von seinem verleumdeten Nächsten nur Gutes reden soll. Und des Guten hätte sich bei Whitman doch leicht genug auffinden lassen können. Wo man Whitman und auch dem Publikum durch eine unparteiische, sachlich gehaltene Klarstellung seiner Ansichten hätte nützen können, da wurde er persiflirt – ein Verfahren, an dem sogar auch Bayard Taylor teilnahm, ohne jedoch Whitman's poetische Begabung zu ignoriren. Ja, ein Kritikaster stellte sogar allen Ernstes die Behauptung auf, Whitman sei im Grunde nichts anderes als ein berechnender Schauspieler, der seine Rolle gründlich einstudirt habe und sie mit bewunderungswürdiger Konsequenz durchführe; schade nur, dass wir solcher Schauspieler so wenige haben!

Der dümmste Aufsatz über Whitman erschien jedoch erst 1884 in der "North American Review," und nimmt es mich wunder, dass der sonst so umsichtige Redakteur dieser Monatsschrift eine solche stümperhafte Arbeit überhaupt aufnahm. Walter Kennedy, dem Autor derselben [48] nämlich, geht aber auch alles Zeug zur Beurteilung eines Dichters wie Whitman ab; er stellt ihn hin, als sei er dem Irrenhause entsprungen und sagt, sobald die "Grashalme" von ihrem unsittlichen Inhalte gesäubert würden, fänden sie keinen Käufer mehr. Whitman's Schöpfungen aber, deren poetischer Wert über alle Zweifel erhaben ist, auch nur mit einem einzigen Worte zu erwähnen, fällt ihm im Traume nicht ein. Und das heisst man unparteiische Kritik!

William Cullen Bryant, mit dem Whitman auf vertrautem Fusse stand und mit dem er öfters ausgedehnte Fusstouren auf Long Island machte, hat sich meines Wissens nie öffentlich über die "Grashalme" ausgesprochen; doch seit dem Auftreten O'Connor's, Dr. Bucke's, Burroughs' und Stedman's ist Whitman's Gemeinde in Amerika langsam gewachsen und nimmt von Jahr zu Jahr an Mitgliedern zu. Andere Dichter werden allerdings mehr gelesen; über keinen aber wird in der Neuzeit mehr gesprochen und geschrieben als über Whitman und keiner hat zuletzt solche treue und aufrichtige Freunde wie er. Die Zeit, ihn zu ignoriren, ist vorbei, wenn auch die Zeit seiner Anerkennung und seines Verständnisses noch nicht gekommen ist. Sein Weltgruss ist bereits aus allen Ländern, in denen man der Poesie huldigt, erwidert worden.

Ich habe hier versucht, ihn so unparteiisch und vorurteilsfrei wie mir nur möglich zu schildern und habe daher auch seine Schwächen, Schrullen und Idiosynkrasieen weder verschwiegen noch beschönigt.

Als Mensch, der sich für die Armen und Elenden aufopfert und nicht rechtzeitig trotz günstiger Gelegenheit für seine alten Tage sorgt, mag er uns schwärmerisch und unpraktisch erscheinen; unsere Hochachtung aber können wir ihm deshalb doch nicht versagen; als Dichter der früher besprochenen Vogelidylle, sowie der Elegie auf den [49] Tod Lincoln's werden wir ihm gerne seine Versündigungen am Codex des sogenannten guten Geschmacks, der Metrik und Grammatik verzeihen.

Als Aesthetiker hat er sich das Schöne zum Ziel genommen; als Philosoph sucht er nach Wahrheit; als Ethiker strebt er das Gute an; als Demokrat will er allen Menschen Freiheit und Freude bringen. Whitman ist ein ureigenes Genie, ein moderner Titane. Mit seinen "Grashalmen" ist er auf das Innigste verwachsen; sie sind sein Fleisch und Bein, sein Herz und seine Seele. "Kamerad," sagt er gegen Schluss derselben, "dies ist kein Buch; wer es berührt, der fasst einen Menschen an!"

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Karl Knortz: Walt Whitman.
Vortrag, gehalten im Deutschen Gesellig-Wissenschaftlichen Verein von New York.
am 24. März 1886.
New York: Druck von H. Bartsch 1886.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

URL: https://archive.org/details/waltwhitmanvort00knorgoog
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/001194926
URL: https://books.google.sn/books?id=E_kjAAAAMAAJ

 

 

 

 

Literatur: Knortz

Brandmeyer, Rudolf: Poetiken der Lyrik: Von der Normpoetik zur Autorenpoetik. In: Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. Hrsg. von Dieter Lamping. 2. Aufl. Stuttgart 2016, S. 2-15.

Frenz, Horst: Walt Whitman's Letters to Karl Knortz. In: American Literature 20.2 (1948), S. 155-163.
URL: https://www.jstor.org/stable/2921379


Knortz, Karl: Longfellow. Literar-historische Studie. Hamburg 1879.
URL: https://archive.org/details/bub_gb_W_UuAAAAYAAJ
URL: https://books.google.de/books?id=W_UuAAAAYAAJ

Knortz, Karl / Dickmann, Otto (Hrsg.): Modern American Lyrics. Leipzig 1880.
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/009010288
URL: https://www.google.de/books/edition/Modern_American_Lyrics/vgNAAAAAYAAJ

Geschichte der nordamerikanischen Literatur.
2 Bde. Berlin 1891.
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/001440550
URL: https://archive.org/details/geschichtederno00knorgoog   [Bd.1]
URL: https://books.google.de/books?id=m_knAAAAMAAJ   [Bd.1]
URL: https://archive.org/details/geschichtederno01knorgoog   [Bd.2]
URL: https://books.google.de/books?id=8hgoAAAAMAAJ   [Bd.2]

Knortz, Karl: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Hamburg 1899.
URL: https://archive.org/details/bub_gb_U5dDAQAAMAAJ
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/100208243
URL: https://books.google.de/books?id=W_UuAAAAYAAJ

Knortz, Karl: Walt Whitman. Der Dichter der Demokratie. 2. Aufl. Leipzig 1899.
URL: https://archive.org/details/bub_gb_cYQ7AAAAYAAJ
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/008973851


Price, Kenneth M. / Schöberlein, Stefan (Hrsg.): The Oxford Handbook of Walt Whitman. Oxford 2024.

Schlaf, Johannes: [Rezension zu:]
Walt Whitman, der Dichter der Demokratie. Von Karl Knortz. 2. Aufl. Leipzig 1899.
In: Das litterarische Echo. Halbmonatsschrift für Litteraturfreunde.
Jg. 2, 1899/1900, Heft 1, 1. Oktober 1899, Sp. 65-66. [PDF]

 

 

Literatur: Whitman-Rezeption

Allen, Gay Wilson / Folsom, Ed (Hrsg.): Walt Whitman & the World. Iowa City, IA 1995.
URL: https://whitmanarchive.org/criticism/current/pdf/anc.01049.pdf

Asselineau, Roger: The Acclimatization of Leaves of Grass in France. In: Utopia in the Present Tense. Walt Whitman and the Language of the New World. Hrsg. von Marina Camboni. Rom 1994, S. 237-263.

Bamberg, Claudia: Einströmende Dinge. Hugo von Hofmannsthal und Hermann Bahr als Leser des amerikanischen Lyrikers Walt Whitman. In: Literaturkritik.de. Nr. 7, Juli 2013, S. 16-22.
URL: https://literaturkritik.de/id/18117

Bennett, Guy / Mousli, Béatrice: Poésies des deux mondes. Un dialogue franco-américain à travers les revues, 1850 – 2004. Paris 2004.

Eilert, Heide: "Komet der neuen Zeit". Zur Rezeption Walt Whitmans in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 17.2 (1992), S. 95-109.

Erkkilä, Betsy: Walt Whitman Among the French. Poet and Myth. Princeton, NJ 1980
S. 239-250: Chronological List of French Criticism of Whitman since 1861.

Grünzweig, Walter: Constructing the German Walt Whitman. Iowa City IA. 1995.

Harris, Kirsten: Walt Whitman and British Socialism. 'The Love of Comrades'. New York 2016.

Higgins, Andrew C.: The Poet's Reception and Legacy. In: A Companion to Walt Whitman. Hrsg. von Donald D. Kummings. Oxford 2009, S. 439-454.

Price, Kenneth M. (Hrsg.): Walt Whitman. The Contemporary Reviews. Cambridge 1996.

Rumeau, Delphine: Fortunes de Walt Whitman. Enjeux d’une réception transatlantique. Paris 2019.

Rumeau, Delphine: Whitman, antidote à Mallarmé. In: Revue des Sciences Humaines 340 (2021), S. 85-100.
URL : http://journals.openedition.org/rsh/373

Thomas, M. Wynn: Transatlantic Connections. Whitman U.S., Whitman U.K. Iowa City, IA 2005.

Zanucchi, Mario: Expressionismus im internationalen Kontext. Studien zur Europa-Reflexion, Übersetzungskultur und Intertextualität der deutschsprachigen Avantgarde. Berlin u. Boston 2023.

 

 

Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer